Bargeld bleibt

Auf einer Geheimkonferenz schmiedeten Notenbanker Pläne zur Abschaffung des Bargeldes. Dadurch soll angeblich Schwarzarbeit erschwert und Kriminalität bekämpft werden. Tatsächlich steckt mehr dahinter: Der Staat sichert sich den Zugriff auf das Geldeigentum seiner Bürger – deren Ahnungslosigkeit ihm in die Hände spielt.

Die Herren wollten eigentlich unter sich bleiben. In London hatte die Schweizerische Notenbank (SNB) unlängst Topökonomen, Notenbanker und hochrangige Bankenvertreter zu einem diskreten Treffen eingeladen, um im trauten Expertenkreise  über Wege zur Abschaffung des Bargeldes zu diskutieren. Dumm nur, dass ihr Geheimtreffen an der Themse nicht geheim geblieben ist.

Also gingen die Währungsexperten notgedrungen in die Offensive. Plötzlich warben selbst  Starökonomen wie Kenneth Rogoff in Interviews mit deutschsprachigen Zeitungen offen  für ein Ende der Bargeldära. Ohne Geldscheine, so eines der Hauptargumente, ließe sich Schwarzarbeit endlich wirkungsvoll eindämmen. Mehr noch, die Kriminalität an sich wäre schlagartig ihres wichtigsten Schmiermittels beraubt. Ein Drogendealer mit Kreditkarten-Lesegerät? Schwer vorstellbar.

Das klingt plausibel, hält aber einer kritischen Prüfung nicht stand. Stichwort Schwarzarbeit: Nach dem Staatsbankrott Argentiniens im Jahr 2001 entwickelten sich  schnell bargeldlose Geschäftsbeziehungen der besonderen Art. So mutierten Klavierstunden oder eine neue Zahnfüllung zur Ersatzwährung. Die Geschichte lehrt zudem, dass die Ganoven mit der Zeit gehen. An die Stelle des tumben Bankräubers,  dessen Beute aus einem Haufen Scheine und Münzen besteht, tritt im Zeitalter der  Digitalisierung der Cyberkriminelle. Er bedient sich online am fremden Eigentum, einfach und risikoarm.

In Wahrheit geht es den Befürwortern der Bargeldlosigkeit um etwas ganz Anderes. Der Staat strebt klammheimlich die Kontrolle über Geldvermögen und  -verkehr an. Hat er diese erst einmal erlangt, kann sich Otto Normalsparer zum Beispiel nicht mehr gegen Negativzinsen wehren. Und sein Scheinbündel unter dem Kopfkissen würde wertlos. Ein Indiz dafür, was wirklich gespielt wird, ist die erwähnte Geheimkonferenz. Deren Veranstalter SNB zählt mit minus 0,75 Prozent zu den Vorreitern beim Negativzins.
Auffällig auch die Liste der Länder, die den Bargeldeinsatz bereits beschnitten haben oder  dies planen. Dazu gehören Griechenland und Zypern, aber auch Spanien und Italien. Zypern hat 2013 den Zahlungsverkehr rigoros reglementiert, Spanien führte im Vorjahr eine Einlagensteuer ein. Am Ende könnte in Zeiten der Krise eine staatliche verordnete „Solidarabgabe“ stehen. Einen ersten Vorstoß unternahm unlängst der IWF. Er brachte  eine weltweite Vermögensabgabe von zehn Prozent zur Bewältigung der Altlasten aus der Finanzkrise ins Spiel.

Alles nur Schwarzmalerei? Leider nein, wie der wachsende Druck auf die Bundesbank zeigt. Sie hält bisher wacker am Bargeld fest. Doch die Gegner des Baren werden nichts unversucht lassen, ihr Fernziel zu erreichen. Ihnen spielt die Schimmerlosigkeit vieler Bundesbürger in die Hände. Jeder Dritte glaubt Umfragen zufolge, er brauche kein Bargeld. Das könnte sich als gefährlicher Irrtum erweisen.

Quelle: Mario Ohoven in ERFOLG – Neues aus der Wirtschaft, 07/08 – 2015

Siehe auch: NWZ, 19.08.2015

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