Affenpocken – wer bittet zur Kasse?

Das Ablenkungsmanöver

AffenpockenDie Angst vor Affenpocken könnte helfen, einige gefährdete Unternehmen zu retten.

von Rubikons Weltredaktion

Des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Wo viele Bürger beim Thema „Affenpocken“ schon entnervt aufstöhnen, weil sie nicht ohne Grund einen erneuten Pandemie-Terror fürchten, hören andere ihre Kassen klingeln. Bestimmte Pharmaunternehmen, die in der Vergangenheit — um es freundlich auszudrücken — umstritten waren und um ihre Existenz bangen mussten, spüren durch das sich anbahnende Affentheater jetzt wieder Auftrieb. Denn die Krankheit entwickelte sich passend zum biomedizinischen Spezialgebiet dieser Unternehmen. Es handelt sich — man darf raten! — um Pockenspezialisten. Das neu erworbene Image als Retter vor der Corona-Nachfolge-Pandemie könnte den Akteuren dabei helfen, dass die Öffentlichkeit über so manche Fehlleistung der Firmengeschichte großzügig hinweggeht.

von Whitney Webb

Noch vor wenigen Wochen befanden sich zwei korrupte Unternehmen in finanzieller Schieflage. Jetzt, da die Sorge um einen weltweiten Ausbruch der Affenpocken von den Medien und globalen Gesundheitsorganisationen gleichermaßen aufgebauscht wird, geraten die Sorgen — und Sünden — dieser beiden Unternehmen schnell in Vergessenheit.

In den letzten Tagen wurde in den Medien und in den Gesundheitsministerien auf der ganzen Welt die Besorgnis über einen weltweiten Ausbruch von Affenpocken, einer milden, mit den Pocken und Windpocken verwandten Krankheit, geschürt, was sogar zu einer Dringlichkeitssitzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte. Die einen befürchten, dass die Affenpocken die nächste Pandemie nach Covid-19 sein könnten.

Andere befürchten, dass die Affenpocken als neuester Vorwand benutzt werden, um drakonische Biosicherheitsmaßnahmen und globales Machtstreben weiter voranzutreiben.

Unabhängig davon, wie sich die Situation in Bezug auf die Affenpocken entwickelt, machen zwei Unternehmen bereits Kasse. Mit der zunehmenden Besorgnis über die Affenpocken sind auch die Aktien von Emergent Biosolutions und SIGA Technologies gestiegen.

Beide Unternehmen haben auf dem US-amerikanischen Markt und auch auf anderen Märkten praktisch ein Monopol auf Pockenimpfstoffe und -behandlungen. Ihre hauptsächlich auf Pocken ausgerichteten Produkte werden praktischerweise auch zum Schutz vor oder zur Behandlung von Affenpocken eingesetzt. Infolgedessen kletterten die Aktien von Emergent Biosolutions am Donnerstag um 12 Prozent, während die von SIGA um 17,1 Prozent zulegten.

Für diese Unternehmen ist die Angst vor den Affenpocken ein Geschenk des Himmels, insbesondere für SIGA, das ein Pockenmittel mit dem Markennamen TPOXX herstellt. Es ist das einzige Produkt von SIGA. Während einige Medien darauf hingewiesen haben, dass der Anstieg der Bewertung von SIGA Technologies mit den jüngsten Befürchtungen bezüglich der Pocken zusammenfiel, wurde der Tatsache, dass das Unternehmen offenbar der einzige Teil des Imperiums eines mächtigen Milliardärs ist, der noch nicht zusammenbricht, kaum Aufmerksamkeit geschenkt.

Dieser Milliardär, der „Corporate Raider“ Ron Perelman, hat tiefe und umstrittene Verbindungen zur Clinton-Familie und der Demokratischen Partei sowie beunruhigende Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Abgesehen von seiner Mehrheitsbeteiligung an SIGA hat Perelman in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht, weil er in einem verzweifelten Versuch, Bargeld zu beschaffen, viele seiner Vermögenswerte rasch liquidiert hat.

Auch Emergent Biosolutions ist in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen, das beunruhigende Verbindungen zu den Anthrax-Anschlägen von 2001 hat, geriet vor knapp zwei Wochen unter Beschuss, weil es Probleme bei der Qualitätskontrolle im Zusammenhang mit der Produktion von Covid-19-Impfstoffen vertuscht haben soll.

Eine Untersuchung des Kongresses ergab, dass Qualitätskontrollprobleme in einer von Emergent Biosolutions betriebenen Anlage dazu führten, dass mehr als 400 Millionen Dosen des Impfstoffs gegen Covid-19 weggeworfen wurden. Die betreffende Emergent-Fabrik war von der FDA im April 2021 geschlossen worden. Im vergangenen August durfte sie wieder öffnen, bevor die Regierung den Vertrag kündigte. Angesichts der Tatsache, dass der größte Teil des Geschäfts des Unternehmens an Verträge mit der US-Regierung gebunden ist, wird der Verlust dieses Vertrags und die damit einhergehende schlechte Publicity von dem Unternehmen wahrscheinlich als Geschenk des Himmels angesehen, da sein Pockenimpfstoff bald international von Interesse sein könnte.

Dies ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass beide Unternehmen von der von den Medien verbreiteten Angst vor einer Pandemie oder einem Bioterrorismus profitiert haben. Im November letzten Jahres gab es Spekulationen, dass das ausgerottete Pockenvirus bald wieder auftauchen könnte. Dies begann mit den Äußerungen von Bill Gates in einem Interview am 4. November 2021 zu den Aussichten auf einen Pocken-Bioterrorismus, gefolgt von der Ankündigung einer CDC/FBI-Untersuchung von 15 verdächtigen Fläschchen mit der Aufschrift „Pocken“ in einem Werk der Firma Merck in Philadelphia am 16. November. Jetzt, rund sechs Monate später, zahlen sich dieselben Befürchtungen für dieselben beiden Unternehmen erneut aus.

Ein mörderisches Unternehmen

Emergent Biosolutions war früher unter dem Namen BioPort bekannt. Das Unternehmen wurde von Fuad el-Hibri, einem libanesischen Geschäftsmann, gegründet, der seine Kontakte zu mächtigen ehemaligen US-Militärs und Politikern nutzte, um die Kontrolle über eine marode Fabrik in Michigan zu übernehmen. Es war die einzige Fabrik, die zur Herstellung eines Anthrax-Impfstoffs berechtigt war.

Der Milzbrand-Impfstoff war bereits vor der Übernahme durch BioPort als problematisch bekannt und wird von vielen Forschern als eine der Hauptursachen für das „Golfkriegssyndrom“ angesehen. Der Impfstoff selbst, der ursprünglich in Fort Detrick entwickelt wurde, wies zum Zeitpunkt seiner Verabreichung an die US-Soldaten im ersten Golfkrieg nur geringe oder gar keine Sicherheitsergebnisse auf — ein Problem, das nie behoben wurde. Die chronischen Sicherheitsprobleme und die schwerfällige Mehrfachverabreichung des Impfstoffs veranlassten BioPort/Emergent Biosolutions später dazu, jahrelang an der Entwicklung einer neuen Zusammensetzung ihres Anthrax-Impfstoffs.

Die Gründung von BioPort fiel mit den Bemühungen der Clinton-Regierung zusammen den Milzbrand-Impfstoff für alle Mitglieder der US-Streitkräfte vorzuschreiben. Mit der Kontrolle über die einzige Quelle für Milzbrandimpfstoff war BioPort in der Lage, einen großen Gewinn zu erzielen.

Nachdem das Unternehmen die Anlage in Michigan erworben hatte, nahm es große Summen von US-Regierungsgeldern in Anspruch, um angeblich Verbesserungen an dem Standort vorzunehmen. Das Unternehmen weigerte sich jedoch, die Gelder für die notwendigen Reparaturen zu verwenden, und gab das Geld stattdessen für die Büros seiner Führungskräfte und nicht für die Impfstofffabrik aus sowie weitere Millionen für Boni für das „Senior Management“.

Später stellten die Prüfer des Pentagons fest, dass noch weitere Millionen „verschwunden“ waren und die Mitarbeiter von BioPort nicht wussten, wie viel die Herstellung einer einzigen Impfstoffdosis kostete. Trotz der offensichtlichen Misswirtschaft und Korruption verlangte BioPort vom Pentagon, dass es ihm aus der Patsche helfen sollte, was auch geschah. In der Zwischenzeit verlor BioPort für die Anlage in Michigan ihre Lizenz, nachdem bei einer staatlichen Inspektion zahlreiche Sicherheitsmängel festgestellt wurden.

Im August 2001 stand BioPort jedoch kurz davor, die Verträge mit dem Pentagon zu verlieren — seine einzige Einnahmequelle. Das Pentagon begann mit der Ausarbeitung eines Berichts, der im September 2001 veröffentlicht werden sollte und in dem ein Plan für die Auflösung von BioPort beschrieben wurde. Aufgrund des Angriffs auf das Pentagon am 11. September 2001 wurde dieser Bericht nie veröffentlicht. Kurz darauf begannen die Anthrax-Anschläge von 2001.

Nur wenige Monate zuvor hatte BioPort das Battelle Memorial Institute unter Vertrag genommen, um sein marodes Impfstoffprogramm zu retten. Der Vertrag verschaffte Battelle „unmittelbaren Zugang zu dem Impfstoff“, und dieser wurde in Verbindung mit dem vom Pentagon finanzierten Milzbrandprogramm verwendet, an dem sowohl Ken Alibek als auch William C. Patrick III beteiligt waren, zwei Biowaffenexperten mit engen Verbindungen zur CIA. Dieses Programm war in der West Jefferson-Anlage von Battelle in Ohio untergebracht. Viele Ermittler halten diese Einrichtung für die Quelle des bei den Anschlägen von 2001 verwendeten Milzbrands.

Die Panik, die durch die Milzbrandanschläge ausgelöst wurde, veranlasste das Gesundheitsministerium (HHS), einzugreifen. Es erteilte BioPort im Januar 2002 seine Lizenz zurück, obwohl es weiterhin Sicherheitsbedenken gegen die Impfstoffproduktion in Michigan gab.

BioPort begnügte sich jedoch nicht mit der Wiederherstellung seiner früheren Verträge mit dem Pentagon, sondern begann, Lobbyarbeit für neue Verträge über Milzbrandimpfstoffe für amerikanische Zivilisten, Postangestellte und andere zu betreiben. Sie bekamen sie, vor allem dank Jerome Hauer, dem damaligen Berater des HHS für die Terrorismusbekämpfung und baldigen neuen stellvertretenden Sekretär des HHS. Hauer trat später in den Vorstand von BioPort ein, nachdem das Unternehmen 2004 in Emergent Biosolutions umbenannt worden war.

Solche Beispiele von Vetternwirtschaft sind bei Emergent Biosolutions keine Seltenheit. In der Tat hat sich das Unternehmen häufig auf Personen verlassen, die im Laufe ihrer Karriere durch die „Drehtür“ zwischen der pharmazeutischen Industrie und der Regierung gegangen sind, insbesondere auf solche, die nebenbei als Bioterror-Alarmisten arbeiten. Eine der wichtigsten Personen, die für den Erfolg des Unternehmens im Laufe der Jahre entscheidend waren, war Robert Kadlec. Kadlec war in den Wochen vor den Milzbrandanschlägen von 2001 der wichtigste Bioterror-Berater des Pentagon.

Monate zuvor hatte er an der Simulation Dark Winter vom Juni 2001 teilgenommen, in der wichtige Aspekte der späteren Milzbrandanschläge „vorhergesagt“ wurden. In der Folgezeit war Kadlec an der Ausarbeitung eines Großteils der Rechtsvorschriften beteiligt, mit denen die spätere Politik des Landes zur Bekämpfung von Bioterrorismus und Pandemien, einschließlich der BARDA und des Strategischen Nationalen Vorrats, geschaffen wurde.

Kurz nach seinem Ausscheiden aus der Regierung half Robert Kadlec 2012 bei der Gründung eines neuen Unternehmens namens „East West Protection“, das „integrierte Bereitschafts- und Reaktionssysteme für Gemeinden und souveräne Staaten“ entwickelt und liefert. Außerdem berät er das Unternehmen „Gemeinden und Länder in Fragen der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und natürliche Pandemien“.

Kadlec gründete das Unternehmen zusammen mit W. Craig Vanderwagen, dem ersten stellvertretenden HHS-Sekretär für Bereitschaft und Reaktion (eine Position, die Kadlec mit ins Gesetz geschrieben hatte und später selbst bekleidete). Der andere Mitbegründer von East West Protection war Fuad El-Hibri, der Gründer von BioPort/Emergent Biosolutions, der in jenem Jahr gerade als CEO von Emergent zurückgetreten war.

Kadlec wurde daraufhin zum Berater. Kadlecs Beratungsfirma RPK Consulting brachte ihm allein im Jahr 2014 451.000 US-Dollar ein, wobei er Emergent Biosolutions sowie andere Pharmaunternehmen wie Bavarian Nordic direkt beriet. Kadlec war auch als Berater für militärische und nachrichtendienstliche Auftragnehmer tätig, zum Beispiel für das von der DARPA unterstützte Unternehmen Invincea und den NSA-Auftragnehmer Scitor, der kürzlich von SAIC übernommen wurde.

Unter Trump kehrte Kadlec als HHS ASPR in die Regierung zurück, eine Position, die er zum Zeitpunkt des Beginns der Covid-19-Krise innehatte. Ein Jahr zuvor, im Jahr 2019, hatte Kadlec eine monatelange Simulation durchgeführt, die sich auf eine von China ausgehende globale Pandemie namens Crimson Contagion konzentrierte. Als die Covid-19-Krise ernsthaft begann, spielte er eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Covid-19-Impfstoffverträgen für Emergent Biosolutions, trotz seiner Interessenkonflikte, von denen er einige bei seiner Ernennung zum ASPR nicht offenlegen wollte.

Das korrupte Verhaltensmuster von Emergent Biosolutions, das mit dem Anthrax-Impfstoff begann, zeigt sich auch in den jüngsten Handlungen im Zusammenhang mit der Produktion von Covid-19-Impfstoffen. Laut dem jüngsten Bericht des Kongresses, der nur wenige Tage vor dem jüngsten Anstieg der Besorgnis über die Affenpocken veröffentlicht wurde, versuchten die Mitarbeiter von Emergent Biosolutions „absichtlich, Regierungsinspektoren über Probleme in die Irre zu führen“ und lehnten auch wiederholt Bemühungen von AstraZeneca und Johnson & Johnson ab, ihre Einrichtungen zu inspizieren.

„Trotz erheblicher Mängel in der Impfstoffproduktionsanlage haben die Führungskräfte von Emergent diese Probleme unter den Teppich gekehrt und weiterhin Steuergelder kassiert“, erklärte die Vorsitzende des House Oversight and Reform Committee, Carolyn Maloney (D-NY), bei der Veröffentlichung des Berichts. Solche „roten Fähnchen“ lassen sich jedoch in der gesamten Unternehmensgeschichte finden, wenn man sich die Zeit nimmt, danach zu suchen.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Kongressberichts gab Emergent Biosolutions bekannt, dass es die weltweiten Exklusivrechte für das „erste von der FDA zugelassene orale Pockenantivirus für alle Altersgruppen“ von der Firma Chimerix erwerben würde.

Das Medikament mit der Bezeichnung TEMBEXA ist ausschließlich für die Behandlung von Pocken bestimmt, die das Unternehmen als „eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit mit hoher Priorität“ bezeichnet. In der Pressemitteilung zum Erwerb von TEMBEXA heißt es, dass für das Produkt Verträge mit der US-Regierung in Millionenhöhe erwartet werden. Die FDA hat das Medikament im vergangenen Juni formell zugelassen.

Emergent Biosolutions besitzt zudem die Rechte an dem Pockenimpfstoff ACAM2000, der auch zur Behandlung von Affenpocken eingesetzt werden kann. Der ursprünglich von Sanofi hergestellte Impfstoff wurde 2017 von dem Unternehmen erworben. Infolgedessen hat das Unternehmen ein wesentliches Monopol auf Pockenimpfstoffe, da ACAM2000 „der einzige von der FDA zugelassene Impfstoff für die aktive Immunisierung gegen Pockenerkrankungen für Menschen ist, bei denen ein hohes Risiko für eine Pockeninfektion besteht“.

In Anbetracht der Erfolgsbilanz des Unternehmens stellt sich die Frage, warum Emergent Biosolutions in den letzten Monaten daran gearbeitet hat, einen Großteil seines Geschäfts auf Pockenbehandlungen umzustellen.

Es sind jedoch keine Spekulationen nötig, wenn man feststellt, dass die gegenwärtigen Ängste vor den Pocken dazu beitragen, das Unternehmen zu retten, dessen Aktien im bisherigen Jahresverlauf um etwa 26 Prozent gefallen waren, bevor die Besorgnis über den jüngsten Pockenausbruch zunahm.

Was auch immer aus der Affenpocken-Situation wird, die jahrzehntelange Erfolgsbilanz von Emergent Biosolutions ist unbestreitbar von Korruption und Vetternwirtschaft geprägt.

„BioArmor“ für Ron Perelmans schwächelndes Geschäftsimperium

SIGA Technologies, das seine Produkte mit „Human BioArmor“ vergleicht, hat ein Zitat von Bill Gates an den Anfang seiner „About“-Seite gestellt. Das Zitat lautet: „(…) die nächste Epidemie könnte auf dem Computerbildschirm eines Terroristen entstehen, der mit Hilfe der Gentechnik eine synthetische Version des Pockenvirus herstellen will (…)“.

Das Zitat stammt aus Bill Gates‘ Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2017, in der er die Bedrohung durch Pocken als Argument für die Zusammenlegung von „Gesundheitssicherheit“ und „internationaler Sicherheit“ anführt. Im vergangenen März wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine globale Pandemie simuliert, die durch ein „gentechnisch hergestelltes Affenpockenvirus“ ausgelöst wurde.

SIGA ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das versucht, seine Nische in der Mitte zwischen „Gesundheitssicherheit“ und „internationaler Sicherheit“ zu finden. Es bietet speziell „Lösungen für ungedeckte Bedürfnisse auf dem Markt für Gesundheitssicherheit, der medizinische Gegenmaßnahmen gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare (CBRN) Bedrohungen sowie neu auftretende Infektionskrankheiten umfasst.“

Die Mehrzahl der Verträge für medizinische CBRN-Gegenmaßnahmen in den USA wird vom Pentagon finanziert. SIGA wirbt zwar damit, ein Unternehmen zu sein, das sich auf CBRN-Bedrohungen spezialisiert hat, konzentriert sich aber im Moment ausschließlich auf Pocken.

In der Tat ist SIGA Technologies derzeit nur im Falle eines tatsächlichen Ausbruchs von Pocken oder einer verwandten Krankheit rentabel, oder wenn die Angst vor einem Pocken-Bioterror-Ereignis groß ist. Insbesondere die Sorge um Letzteres hat dazu geführt, dass das Unternehmen Regierungsaufträge für die Produktion von TPOXX für das Strategic National Stockpile (SNS) erhalten hat. Der Grund dafür ist, dass TPOXX nur zur Behandlung einer aktiven Pocken- oder Affenpockeninfektion eingesetzt wird, nicht aber zu deren Vorbeugung.

Das bedeutet, dass es nur sinnvoll ist, wenn Pocken, Affenpocken oder eine verwandte Krankheit Menschen aktiv infizieren oder wenn ein hohes Risiko besteht, dass eine dieser Krankheiten bald große Gruppen von Menschen infizieren wird. TPOXX wurde erstmals 2018 von der FDA und im vergangenen Januar von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Erst am vergangenen Donnerstag hat die FDA eine intravenöse Version von TPOXX zugelassen. Insgesamt hat SIGA für die Entwicklung von TPOXX über 1 Milliarde US-Dollar von der US-Regierung erhalten.

SIGA arbeitet derzeit mit der BARDA des HHS, dem Verteidigungsministerium, der CDC und den NIH zusammen. Ein weiterer Partner ist Lonza, ein europäischer Pharmahersteller, der sowohl mit dem Weltwirtschaftsforum als auch mit Moderna zusammenarbeitet.

Der CEO von SIGA, Phillip Gomez (About SIGA — SIGA: Human BioArmor), ist ein ehemaliger Mitarbeiter von PRTM Consulting (Logga in | LinkedIn), wo er eng mit Robert Kadlec zusammengearbeitet hat, da sich die Tätigkeiten der beiden Männer als Direktoren des Unternehmens überschnitten und beide Regierungsbehörden in Fragen der öffentlichen Gesundheit und der biologischen Verteidigung berieten.

SIGA ist auch deshalb bemerkenswert, weil es möglicherweise das einzige Unternehmen im Geschäftsimperium des Corporate Raiders Ron Perelman ist, das nicht mit wachsenden Schuldenbergen verbunden ist. Perelman ist einer der berüchtigten Corporate Raiders aus den 1980er Jahren, die mit Junk Bonds finanzierte Firmenübernahmen durchführten, insbesondere solche, die mit Michael Milkens Drexel Burnham Lambert verbunden waren. Perelmans Geschäftstaktiken sind seit langem von seinem vulkanischen Temperament und seiner Rücksichtslosigkeit geprägt.

Der ehemalige CEO von Salomon Brothers, John Gutfruend, bemerkte einmal, dass „zu glauben, dass Herr Perelman keine feindlichen Absichten hat, so ist, als würde man an die Existenz der Zahnfee glauben“.

Perelman ist auch als langjähriger Gönner der Clinton-Familie bekannt, obwohl er in jüngster Zeit für die politischen Kampagnen von Donald Trump gespendet hat. Perelman interessierte sich offenbar erstmals für den Einfluss der Clintons, nachdem er 1994 Patricia Duff geheiratet hatte. Duff war eng mit der Demokratischen Partei verbunden, da sie für den demokratischen Meinungsforscher Pat Cadell gearbeitet hatte und ebenfalls für den Ausschuss des Repräsentantenhauses, der die Ermordung von John F. Kennedy und Martin Luther King Jr. „untersuchte“.

Als Perelmans Ehefrau stilisierte sich Duff zu einer führenden Spendensammlerin der Demokraten, wofür das Spendendinner von 1995 sinnbildlich ist. Außerdem nahm Perelman 1995 an einem 1000-Dollar Abendessen für die Clintons in New York teil, bei dem er dem Präsidenten gegenüber saß, sowie an einem Staatsbankett für den brasilianischen Präsidenten im Weißen Haus.

Seine Großzügigkeit gegenüber dem politischen Apparat der Clintons führte dazu, dass Perelman 1995 von Clinton in das Kuratorium des Kennedy Centers berufen wurde. Andere, weniger öffentliche Gesten der Clintons waren wahrscheinlich, da Perelman der First Family viel mehr bot, als er im Gegenzug erhalten zu haben scheint. Der vielleicht bemerkenswerteste Gefallen, den Perelman Bill Clinton erwies, war, dass er skandalumwitterten Mitgliedern seiner Verwaltung, Webster Hubbell und Monica Lewinsky, im Zuge ihrer jeweiligen Kontroversen Arbeitsplätze anbot.

Nachdem die Jobangebote öffentlich bekannt wurden, wurden Hubbell und Lewinsky jedoch entlassen, obwohl die Angebote später die Aufmerksamkeit des unabhängigen Anwalts Ken Starr erregten. Starr hat Perelman oder die Angebote, die er Hubbell oder Lewinsky gemacht hatte, nie vorgeladen oder untersucht.

Die umstrittenen Einstellungen waren zwischen Perelman und dem Clinton-Berater Vernon Jordan arrangiert worden, der im Vorstand von Revlon, einem von Perelman kontrollierten Unternehmen, saß, während seine Frau Mitglied des Vorstands einer anderen Perelman gehörenden Firma war. Jordan war als Clintons „Verbindungsmann zu den Mächtigen“ bekannt und hatte Clinton 1991 zur Bilderberg-Konferenz mitgenommen.

Zu der Entscheidung, Lewinsky nach dem Skandal einzustellen, sagte ein ehemaliger Geschäftspartner Perelmans gegenüber der Washington Post: „Das ist wie bei der Mafia, das läuft alles verschlüsselt ab“, und fügte hinzu:

„Ich kann Ihnen versichern, dass Ronald die Entscheidung getroffen hat, Lewinsky den Job zu geben. Und ich kann Ihnen versichern, dass er nicht wissen wollte, warum Jordan gefragt hat.“

1995 veranstaltete Perelman in seiner Villa eine Spendenaktion für Clinton, an der unter anderem der Sänger Jimmy Buffett, der Miami Vice-Schauspieler Don Johnson, die damalige Ehefrau von Michael Douglas, Deandra, und der DNC-Mitvorsitzende Don Fowler teilnahmen. Weitere Gäste waren A. Paul Prosperi, ein korrupter Clinton-Kumpan, und der inzwischen berüchtigte Jeffrey Epstein. Clinton selbst nahm an der Benefizveranstaltung teil.

Nach Angaben der Palm Beach Post hatten die Gäste mindestens 100.000 Dollar an das DNC gespendet, um an dem Abendessen mit dem Präsidenten teilnehmen zu können. Dies geschah natürlich im Vorfeld der Wahlen von 1996, und das DNC sollte später wegen illegaler Spendensammlungen intensiv unter die Lupe genommen werden.

Diese Benefizveranstaltung war nicht Epsteins einzige Interaktion mit Perelman — Perelman wurde später in dem von Vicky Ward verfassten Vanity Fair-Profil aus dem Jahr 2003 als häufiger Gast Epsteins beim Abendessen aufgeführt und ist in Epsteins schwarzem Buch der Kontakte verzeichnet.

Die meiste Zeit der 2000er Jahre saß Perelman auf einem riesigen, ständig wachsenden Vermögen. Doch seit 2020 hat sich Perelman „von Vermögenswerten getrennt: ‚Viele davon. Rapidly.‘“ Das begann mit dem Verkauf wertvoller Gemälde bei Sotheby’s und weitete sich bald auf Perelmans Investmentgesellschaft MacAndrews & Forbes aus, die sich im selben Jahr von ihren Anteilen an zwei Unternehmen trennte, darunter Anteile an Scientific Games im Wert von 1 Milliarde Dollar. Laut MoneyWeek sank Perelmans Nettovermögen von 19 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf 4,2 Milliarden Dollar Ende 2020, „was zu Spekulationen führte, dass ihm das Geld ausgeht“.

Im Laufe des letzten Jahres hat Perelman seine „Verkleinerung“ fortgesetzt und versucht, sein Anwesen in den Hamptons für 115 Millionen Dollar, ein weiteres 57-Morgen-Anwesen im Wert von 180 Millionen Dollar und zwei Stadthäuser in Manhattans Upper East Side für 60 Millionen Dollar zu verkaufen.

Auch andere Vermögenswerte von Perelmans Firma MacAndrews & Forbes versinken in den Schulden. Einer der wenigen Vermögenswerte des Unternehmens, der derzeit weder Geld verliert noch mit Schulden zu kämpfen hat, sind seine Anteile an SIGA Technologies. Perelmans Hauptunternehmen, MacAndrews & Forbes, ist seit langem einer der größten Investoren von SIGA und bleibt mit einem Anteil von 33 Prozent aller Aktien der größte Aktionär.

Seit Perelman bei SIGA eingestiegen ist, wird das Unternehmen von Korruptionsvorwürfen geplagt. So erhielt SIGA im Mai 2011 einen nicht ausgeschriebenen Auftrag im Wert von rund 433 Millionen US-Dollar zur Entwicklung und Herstellung von 1,7 Millionen Dosen eines antiviralen Medikaments gegen Pocken.

Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Beweise dafür, dass das fragliche Pockenmedikament zur Behandlung der Krankheit geeignet war, und einige HHS-Mitarbeiter äußerten die Befürchtung, dass die Investitionsrendite von SIGA aus dem Vertrag „unverschämt“ sei. Man begann, den Vertrag zu untersuchen, weil man befürchtete, dass SIGA den Auftrag gerade deshalb erhalten hatte, weil das Unternehmen von Perelman kontrolliert wurde, der viel für Barack Obama gespendet hatte. Damals berichtete CNN über Perelmans Verbindungen zum Weißen Haus Obamas Folgendes:

„Ronald Perelman ist Mehrheitsaktionär von SIGA Technologies und ein langjähriger Aktivist und Geldbeschaffer der Demokratischen Partei. Er ist auch ein großer Spender für die Republikaner, war aber ein besonderer Freund des Weißen Hauses von Obama.

Ebenfalls im Verwaltungsrat von SIGA sitzt Andy Stern, ehemaliger Präsident der Service Employees International Union, der enge Beziehungen zur Obama-Regierung unterhält und die Gesundheitsinitiativen von Präsident Barack Obama unterstützt hat.“

Aufgrund dieser Bedenken und des möglichen Interessenkonflikts wurde eine Untersuchung des Kongresses eingeleitet. Wenige Tage, nachdem sie erfuhren, dass dieser wichtige Regierungsvertrag in Gefahr sein könnte, verkauften SIGA-Führungskräfte große Mengen an Unternehmensaktien zu einem Durchschnittspreis von 13,46 Dollar pro Aktie und brachten dem damaligen Chief Executive Officer und Chief Scientific Officer Millionen von Dollar ein. Einen Monat später gab das Unternehmen bekannt, dass der Vertrag gekürzt worden war, und die Aktien des Unternehmens fielen bis Dezember auf unter 2 Dollar.

Was ist von dem jüngsten Medienrummel um die Affenpocken zu halten, wenn man bedenkt, dass Perelman während der Obama-Regierung, als Präsident Joe Biden Vizepräsident war, in der Vergangenheit der „Bestechung“ beschuldigt wurde? Oder von den Befürchtungen, die letztes Jahr wegen eines Bioterrorismus-Ereignisses mit Pocken aufkamen?

Vielleicht ist es wichtiger, andere Fragen zu stellen: Warum wurde Perelmans Rolle bei SIGA in der jüngsten Berichterstattung über das Unternehmen weitgehend verschleiert oder völlig ignoriert? Warum wurde die schreckliche Erfolgsbilanz von Emergent Biosolutions ebenfalls aus den jüngsten Berichten ausgeklammert, einschließlich der großen Beschwerden des Kongresses, die vor weniger als zwei Wochen gegen das Unternehmen erhoben wurden?

Es scheint, dass die Angst, die um die Affenpocken geschürt wird, nicht nur die Aktien dieser beiden miesen Unternehmen in die Höhe treibt, sondern auch dazu beiträgt, dass die Öffentlichkeit deren vergangene Sünden vergisst.


Redaktionelle Anmerkung: Der Beitrag erschien am 20. Mai 2022 unter dem Titel „Monkeypox Fears May Rescue Endangered Corporations“. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 15.06.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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