Was hat ein Waldbrand mit Konjunktur zu tun?

RezessionDer ökonomische Waldbrand

Mit der Weltwirtschaft ist es wie mit der Brandbekämpfung: Es ist besser, viele kleine Katastrophen zuzulassen, bevor es zu einer großen kommt.

von Christian Kreiß

Erfahrungen aus Australien zeigen: Wenn man lokal begrenzte Buschbrände lange künstlich unterdrückt, sammelt sich immer mehr Biomasse an. Dann kommt irgendwann ein Brand, der nicht mehr kontrollierbar ist, ein Flächenbrand mit katastrophalen Schäden, die viel größer sind, als wenn regelmäßig kleinere, lokal begrenzte Brände ausbrechen. Das Gleiche gilt für die Ökonomie. Wenn man lange Zeit Rezessionen künstlich unterdrückt, bilden sich immer mehr Zombie-Unternehmen, Unternehmen ohne ökonomische Existenzberechtigung. Kommt dann eine erneute Rezession, kann diese in einen unkontrollierbaren Abschwung übergehen, eine Depression wie 1929. Eine solche Weltwirtschaftskrise reißt auch viele produktive Unternehmen mit in den Abgrund und richtet sehr viel mehr Elend an, als es viele regelmäßige kleinere Rezessionen gemeinsam tun. Stehen wir heute vor solch einer auf uns zukommenden, unkontrollierbaren Weltwirtschaftskrise?

Weisheitsvolle Natur: Zerstörung und Tod gehören zum Leben dazu

Der herausragende Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt gebrauchte in den 1980er-Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in seiner Vorlesung Wirtschaftsgeschichte folgendes Bild zur Erklärung von Konjunkturzyklen (1). In Australien gab es regelmäßige Buschbrände. Daraufhin beschloss die Regierung, diese Waldbrände durch stark vermehrten Feuerwehreinsatz zu bekämpfen. Das gelang. Viele Jahre lang fanden kaum mehr lokale Waldbrände statt. Dann kam allerdings ein Waldbrand, der so gewaltig war, dass die Feuerwehr keine Chance mehr hatte. Der Buschbrand entwickelte sich zum katastrophalen Flächenbrand. Der Schaden dieses einen Großbrandes war um ein Vielfaches größer als viele kleine, regional begrenzte Buschbrände gewesen wären.

Was war geschehen? Kleinere, regional begrenzte Buschbrände können von dem Ökosystem relativ gut überwunden werden. Aus den unversehrten benachbarten Gebieten können Pflanzensamen und Tiere kommen und die verbrannte Fläche wieder zum Leben erwecken. Ja mehr: Manche Pflanzenarten geben ihre Samen nur bei hohen Temperaturen, also nach Waldbränden überhaupt erst frei (2). In der Natur sind also mit großer Weisheit Waldbrände miteingeplant, sie werden geradezu benötigt. Zerstörung ist weisheitsvoll im Naturkreislauf eingeplant. Dann kann, wie der Phoenix aus der Asche, Neues entstehen, junge, frische Pflanzen ins Leben treten und das Ökosystem erneuern, beleben, stärken. Gerade weil das Alte zerstört wird und dadurch fruchtbarer, aschegedüngter Boden vorhanden ist, kann neues Leben entstehen.

Die Politiker hielten sich aber für klüger als die weisheitsvolle Natur und durch diese Hybris beziehungsweise dieses Nicht-Verstehen komplizierter Abläufe geschah großes Übel. Aufgrund der langjährigen künstlichen Unterdrückung regionaler Buschbrände durch die Menscheneingriffe war derart viel brennbare Biomasse akkumuliert worden, dass das einen Feuersturm ungeahnten Ausmaßes auslöste. Es war einfach zu viel Biomasse da. Der Brand war nicht mehr durch Menschen beherrschbar.

Waldbrände und Konjunkturtheorie

Knut Borchardt übertrug dies auf das Wirtschaftsleben. In guten, prosperierenden Jahren gedeihen auch solche Unternehmen, die weniger effizient sind als andere, deren Produkte oder Dienstleistungen weniger gut sind als die anderer Unternehmen. Auch diese ineffizienteren Unternehmen mit schlechter Führung, schlechten Produkten gedeihen während eines allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs mit oder sie überleben zumindest, sie werden gewissermaßen in der allgemeinen Euphorie mitgetragen, mitgerissen. Diese Unternehmen müssten aber immer wieder aussortiert, zerstört werden, zugrunde gehen. Das ist die wichtige Aufgabe von Rezessionen, von Wirtschaftsabschwüngen. Natürlich macht das den Beteiligten keine Freude, im Gegenteil, es entsteht dadurch Not, ist schlimm für die Betroffenen.

Aber was wäre die Alternative? Wenn wir diesen zyklisch eintretenden konjunkturellen Zerstörungsprozess künstlich durch Regierungsgewalt verhindern, was geschieht dann? Dann sammelt sich zu viel „ökonomische Biomasse“ an, zu viele Zombie-Unternehmen, wie man sie heute nennen würde, „wandelnde Tote“, Unternehmen, die eigentlich schon längst keine ökonomische Existenzberechtigung mehr haben.

Wenn die Zahl dieser Unternehmen durch politische Maßnahmen immer größer wird, wird sich das eines Tages bitter rächen: Dann wird ein ökonomischer Flächenbrand eintreten, eine Depression, die nicht mehr aufzuhalten ist, weil einfach zu viele falsche Unternehmen, zu viel falsche „ökonomische Biomasse“ vorhanden ist und dann steuern wir möglicherweise in eine ähnliche Katastrophe wie in den Jahren nach 1929.

Also lautet das Fazit: Lasst Konjunkturabschwünge zu. Lasst Insolvenzen zu. Vermeidet Insolvenzverschleppungen. Haltet nicht künstlich Unternehmen am Leben, die schon längst keine ökonomische Existenzberechtigung mehr haben. Knut Borchardt wandte sich gegen den Glauben an die aktive politische Machbarkeit von Wirtschaftsprozessen und empfahl mehr Bescheidenheit. Abschwünge, Rezessionen, Krankheit, Leid und (Unternehmens-)Tod gehören zum Wirtschaftsleben dazu, sind integraler Bestandteil und sollten nicht künstlich wegtherapiert werden. Mildern ja, unterdrücken nein.

Krankheit und Widerstandskräfte

Ähnliches gilt für menschliche Krankheitsprozesse. Wenn Kinder durch Kinderkrankheiten gehen, Fieber haben, werden die Immunkräfte gestärkt. Fieber ist nicht die Krankheit, sondern der Abwehrprozess des Körpers gegen den vorherigen Zustand, in dem etwas nicht in Ordnung war. Unterdrückt man diesen Abwehrprozess des Organismus mit Antibiotika, so werden die Abwehrkräfte geschwächt. Unterdrückt man alle Kinderkrankheiten, die, wenn sie im richtigen Alter stattfinden, normalerweise nicht gefährlich verlaufen, durch Impfungen, so entwickeln die Kinder keine oder zu wenig Abwehrkräfte. Das schwächt den Organismus und macht ihn anfälliger für spätere Krankheiten, die dann umso schlimmer verlaufen. Wenn man zu viele Antibiotika genommen hat, schlagen sie irgendwann nicht mehr an, die Bakterien werden resistent dagegen.

Das trifft auch auf das Wirtschaftsleben zu. Gibt man bei Rezessionen immer „Antibiotika“, krisenunterdrückende Medizin, so wird die Wirtschaft geschwächt und anfälliger für große Bereinigungen.

Der Prozess der schöpferischen Zerstörung von Joseph Alois Schumpeter

Ganz ähnlich argumentiert der aus Österreich stammende Ökonom Joseph Alois Schumpeter in seinem 1942 erschienenen Buch „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ (3). Im Kapitel „Der Prozess der schöpferischen Zerstörung“ spricht er von einem „Prozess einer industriellen Mutation (…), der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft.

Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum.“ Der „organische Prozess“ der Wirtschaftsentwicklung „muss in seiner Rolle im ewigen Sturm der schöpferischen Zerstörung gesehen werden (… er) kann nicht davon unabhängig verstanden werden oder gar aufgrund der Hypothese, dass eine ewige Windstille herrscht“ (4). Schumpeter plädiert vehement dafür, Zerstörung im Wirtschaftsleben zuzulassen, damit Neues, Zukunftsweisendes nicht unnötig gebremst oder verhindert wird.

Was haben wir daraus gelernt?

Nichts. Seit der Finanzkrise 2007 bis 2009 haben sowohl unsere Politiker als auch die Notenbankchefs alles getan, um eine Rezession zu vermeiden, um unproduktive Unternehmen am Leben zu erhalten. Sowohl die Notenbanken als auch die Politiker praktisch aller Industrienationen haben alles darangesetzt, möglichst viele Zombie-Unternehmen zu schaffen.

Von der Finanzkrise 2007 bis März 2020 haben fast alle westlichen Notenbanken die Zinsen so niedrig gesetzt wie noch nie in der Geschichte. Gleichzeitig wurden riesige Massen an frischem Notenbankgeld gedruckt, so viel wie noch nie in der Geschichte. Diese historisch einzigartige Niedrigzinspolitik hat dazu geführt, dass Unternehmen mit hohen Schulden — exakt gesprochen: mit hohem Leverage — seit nun mehr als zwölf Jahren praktisch nicht mehr aussortiert wurden. Das hat zu einer immer größeren Zahl von Zombie-Unternehmen geführt. Während der Lockdowns ab März 2020 wurde die Geldpresse der Notenbanken erneut dramatisch angeworfen und die Zinsen auf extrem niedrige Niveaus gedrückt.

Seit der Finanzkrise 2007 bis 2009 und insbesondere seit den Lockdowns ab März 2020 haben fast alle westlichen Regierungen so hohe Schulden aufgenommen wie noch nie (5). Auch das hat die Konjunktur künstlich aufrechterhalten, künstlich angeheizt und hat das Aussortieren von ineffizienten Unternehmen verhindert.

Seit dem Ukrainekrieg hat sich die Schuldenspirale in vielen Nationen erneut verstärkt, beispielsweise in Deutschland allein schon durch das 100 Milliarden Euro schwere Rüstungspaket.

Wie groß ist der aufgestaute Bereinigungsbedarf?

Eine Abschätzung über das Ausmaß des aufgestauten Bereinigungsbedarfs ist schwierig. In einem Bericht der Baseler Bank for International Settlements (BIS) von September 2020 wird geschätzt, dass der Anteil von Zombieunternehmen von 4 Prozent in den späten 1980er-Jahren auf 15 Prozent in 2017 gestiegen ist (6). Das war lange vor den Lockdowns und der Ukrainekrise.

Ende Dezember 2020 veröffentlichte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln einen Artikel mit der Überschrift „Corona: Droht eine Zombiefizierung der deutschen Wirtschaft?“ Darin griff es damalige Schätzungen zu möglichen Firmeninsolvenzen für Deutschland auf. Demnach schätzte das ifo Institut (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.) 2020, dass 750.000 Unternehmen beziehungsweise etwa ein Fünftel aller deutschen Unternehmen existenzbedroht seien. Nach einer Umfrage des Deutsche Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK) waren es etwa 350.000 oder ein Zehntel. Creditreform rechnete demnach für 2021 mit bis zu 800.000 überschuldeten Unternehmen, die zu Zombieunternehmen werden könnten (7).

Tatsache ist, dass die Unternehmensinsolvenzen seit den Lockdowns im März 2020 dramatisch gefallen sind (8). Gründe dafür sind zum einen die geänderten Insolvenzrichtlinien sowie umfangreiche Unterstützungszahlungen durch die Regierung an die Unternehmen, beispielsweise durch Kurzarbeitergeld, das selbst heute noch sehr viel einfacher erlangt werden kann als vor Corona (9).

In den Jahren 2020 und 2021 lagen die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent unter dem Mittelwert des Referenzjahres 2018, von Januar bis Mai 2022 um beinahe 40 Prozent unter den Werten des Referenzjahres 2018. Das deutet auf einen erheblichen Rückstau bei den Insolvenzen und damit auf eine Zombifizierung vieler Unternehmen in Deutschland hin. Wenn diese Insolvenzen alle auf einmal nachgeholt würden, dürfte es eine erhebliche Zunahme der Arbeitslosigkeit geben.

Was kommt?

Sowohl fiskal- wie geldpolitisch wurde in den Jahren seit 2007 alles getan, um einen Prozess der schöpferischen Zerstörung zu verhindern. Das Ergebnis: Heute gibt es vermutlich so viele Zombie-Unternehmen — und Zombie-Staaten, das heißt Staaten mit langfristig untragbar honen Schulden — wie noch nie. Es hat sich eine ungeheure Menge an „ökonomischer Biomasse“ angehäuft. Gnade uns Gott, wenn diese „Biomasse“ zu brennen beginnt. Das könnte einen Waldbrand geben, wie wir ihn seit vielen Jahrzehnten, möglicherweise seit 1929, nicht mehr gesehen haben. Ein Blick auf die Entwicklungen an den Aktien-, Anleihe- und Kryptomärkten seit Anfang Januar 2022 lässt ahnen, was da möglicherweise auf uns zukommt. Wir tanzen auf einem Vulkan.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Vergleiche Borchardt, Knut, Wandlungen im Denken über wirtschaftliche Krisen, in: Über die Krise, Castelgandolfo-Gespräche 1885, Krzystof Michalski (Herausgeber), Klett Cotta Stuttgart 1986. Angabegemäß erklärte Borchardt mit dieser bildlichen Schilderung dem Papst in Castelgandolfo, der päpstlichen Sommerresidenz, wie Konjunktur funktioniert. Die Darstellung im Text folgt im Wesentlichen den mündlichen Ausführungen in der Vorlesung.
(2) Auf wissen.de heißt es dazu: „Für einige Pflanzen in Australien sind Buschfeuer sogar lebenswichtig. Feuerpflanzen, so genannte Pyrophyten (von griechisch pyr = Feuer und phytón = Pflanze), öffnen erst bei großer Hitze ihre Samenkapseln. Nach dem Feuer setzen sie ihre Samen frei, die dann auf den mit frischer Asche gedüngten Boden fallen. Zudem erhalten diese Pflanzen viel lebenswichtiges Licht, da die zuvor ansässigen Pflanzen weitgehend verbrannt sind. Eukalyptusbäume, 100 Meter hohe Baumriesen, werden durch ihre Rinde vor Feuer geschützt. Einige Eukalyptusarten treiben nach einem Brand frisches Grün aus ihren Wurzelknollen oder lassen, stimuliert vom Feuer, Milliarden von Samen frei.“ https://www.wissen.de/buschfeuer, Stand 13. Juni 2022.
(3) Schumpeter, Joseph Alois: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Erstveröffentlichung 1942, 8. Auflage, Tübingen 2005, Seite 134 bis 142.
(4) Ebenda, Seite 137 folgende, Hervorhebung im Original.
(5) Institute of International finance (iif), Global Debt Monitor 18. Mai 2022.
(6) https://www.bis.org/publ/work882.pdf , überarbeitet im Januar 2022. Dort werden Zombie-Unternehmen folgendermaßen definiert: „These zombie firms are smaller, less productive, more leveraged, invest less in physical and intangible capital and shrink their assets, debt and employment. Their performance deteriorates several years before zombification and remains significantly poorer than that of non-zombie firms in subsequent years.”
(7) https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2020/IW-Kurzbericht_2020_Zombiefizierung.pdf
(8) https://www.creditsafe.com/de/de/wirtschaftsauskunft/wissenswertes/firmeninsolvenzen-deutschland.html#Indu
(9) https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/kurzarbeitergeld-corona-2003908: „Sonderregelungen werden verlängert — weiterhin erleichterter Zugang zu Kurzarbeitergeld“, veröffentlicht am 31. März 2022.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 18.06.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Abkehr vom Bargeld

KartenzahlungDie Rückwärtsrolle

Eine Abkehr vom Bargeld würde ins Chaos führen.

von Hakon von Holst

„Aus technischen Gründen keine Kartenzahlung möglich.“ Wo noch vor Kurzem dazu aufgefordert wurde, kontaktlos zu bezahlen, wird jetzt darum gebeten, Scheine und Münzen herauszunehmen. Das Chaos an der Ladenkasse ist eine Warnung, wo die Reise hinführt, wenn die Gesellschaft dem Bargeld den Rücken kehrt. Was in Einzelfällen vielleicht tatsächlich ein technisches Systemverssagen gewesen sein mag, birgt grundsätzlich auch die Gefahr des Missbrauchs. In einer Welt, in der das Bargeld zurückgedrängt wird, kann es zu Liquiditätsproblemen kommen, sind Menschen überwach- und erpressbar, können Hackerangriffe und Bankenversagen den Zugriff auf das erarbeitete Geld erschweren.

Probleme an der Tankstelle

Seit dem 24. Mai 2022 gibt es in ganz Deutschland Probleme an der Ladenkasse. Das Kartenterminal Verifone H5000 verweigert an vielen Orten den Dienst. Betroffen sind nicht nur Drogerie- und Supermärkte, sondern auch viele Tankstellen. Wenn der Kraftstoff schon im Tank ist, lässt sich der Kauf schlecht rückgängig machen. Wer kein Bargeld dabei hat, stellt sich auf Probleme ein. Ein Internetnutzer schreibt:

„Ich durfte gestern Abend ganz räudig an der Tankstelle meinen Perso abgeben und zur nächsten Bank fahren[,] um das Geld abzuholen. Der Tankwart hatte schon 100 Zettel da liegen, glaube[,] einige wird er nie wiedersehen“ Stadt-Bremerhaven.de.

Wenn das Kartenbezahlterminal an der Supermarktkasse streikt, ist auch der Cash-Back-Service nicht verfügbar. Geldabheben an der Ladenkasse geht dann nicht. Leider machen sich die Geldautomaten immer rarer. Die Schließung von Bankfilialen ist bereits ein Thema in den großen Medien. Ebenso das Verschwinden von Bankomaten, das damit einhergeht. Der Österreichische Rundfunk berichtet, dass bis 2023 40 Prozent der Bankfilialen in Europa wegfallen könnten.

19. November 2019: Störung in drei Ländern

Bargeld quittiert nie seinen Dienst. Das elektronische Bezahlsystem dagegen ist relativ anfällig. Für technische Fehler und für Hackerangriffe, für Überlastung wie für Stromausfälle und Naturkatastrophen. Darüber berichten die Medien immer wieder. Am 19. November 2019 zum Beispiel fielen Kartenlesegeräte in gleich drei Ländern aus: in Luxemburg, der Schweiz und in Österreich. So berichtete Watson.ch:

„In der ganzen Schweiz sind grössere Probleme beim elektronischen Zahlungsverkehr aufgetreten. EC- und Kreditkartenzahlungen bei Bezahlterminals waren am Vormittag unterbrochen. Auch betroffen davon waren die SBB.“

Der Fehler hatte mit dem Zahlungsdienstleister Six Payment Services zu tun. Das Unternehmen gehört zu Worldline. Einer der leitenden Mitarbeiter dieses Konzerns gehört einer dreißigköpfigen Beratergruppe an. Sie berät die Europäische Zentralbank bei der Entwicklung des digitalen Euros.

12. Dezember 2020: Einkaufssamstag mit Unwägbarkeiten

In Österreich gab es an diesem Tag immer wieder Probleme bei der Abwicklung von Kartenzahlungen. Der Standard schrieb:

„Der vorweihnachtliche Einkaufssamstag ist flächendeckend von Problemen bei Kartenzahlungen beeinträchtigt worden. Das berichteten Betroffene und der Handelsverband am Samstag. Der Betreiber Six Payment Services führte die Probleme auf eine Störung bei einem Internetprovider zurück.“

1. Januar 2017: Probleme am Neujahrstag

Am Neujahrstag 2017 hatten Kartenzahler in Österreich ein Problem. Beim Spiegel hieß es:

„Eine technische Störung brachte am Neujahrstag in Österreich Tankstellenkunden und Restaurantbesucher in Verlegenheit. Kartenzahlung war stundenlang nicht möglich.“

23. Dezember 2019: Störung bei 120.000 Händlern

Noch schnell ein Geschenk kaufen … Am 23. Dezember gelang das vielerorts nur Barzahlern. Die Welt beschrieb die Situation wie folgt:

„Wegen einer IT-Panne konnten Verbraucher auf der Zielgeraden des Weihnachtsgeschäfts zeitweise nicht per Karte an den Ladenkassen zahlen. Die Störung habe zu Problemen bei rund 120.000 Händlern geführt. (…). An den Kassen zahlreicher großer Handelsmarken soll es zu tumultartigen Szenen gekommen sein.“

21. Mai 2019: Panne in Luxemburg

Kein Durchkommen mit Bankomatkarte. So erging es vielen Luxemburgern am 21. Mai 2019:

„Der Zahlungsdienstleister Worldline bestätigte auf Nachfrage, dass es gegen 10 Uhr ‚eine vorübergehende Teilstörung’ der Systeme gab, die auch Bezahlterminals in Luxemburg betroffen habe.“ Wort.lu

3. Dezenber 2021: Störung im deutschen Einzelhandel

Am 3. Dezember 2021 kam es in Deutschland zu einer kurzfristigen Störung bei Kartenzahlungen:

„Aktuell gibt es im Einzelhandel offenbar eine Störung im Zahlungsverkehr. Ein Bezahlen mit EC-Karte ist daher vielerorts nicht oder nur eingeschränkt möglich.“ Netzwelt.de

2. Januar 2018: Kreditkartenzahlungen bei Aldi Süd mehrfach belastet

Nicht jeder technische Fehler führt zum Ausfall eines Systems. Manchmal nehmen die Dinge einen anderen Weg. So mussten einmal Kunden von Aldi Süd folgende Erfahrung machen:

„Böse Überraschung für Kunden von Aldi Süd: Wer kürzlich bei dem Discounter eingekauft und mit Kreditkarte bezahlt hat, muss damit rechnen, dass seine Karte gleich mehrfach belastet wurde.“ Augsburger Allgemeine

Die politische Dimension der Abkehr vom Bargeld

Störungen im elektronischen Zahlungsverkehr entstehen nicht immer rein zufällig. Konten können auch gezielt gesperrt werden, um Druck auf einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen auszuüben.

Cyberangriff auf Banken in der Ukraine

Am 15. Februar 2022, also einige Tage vor dem Einmarsch russischer Truppen, gab es einen Cyberangriff auf die Oschadbank sowie auf das größte Kreditinstitut der Ukraine, die „Privatbank“. Die Mobiltelefonanwendungen der Banken versagten den Dienst und Online-Zahlungen waren nicht möglich. Gefälschte SMS-Nachrichten lösten eine Panik aus.

Russische LKW-Fahrer stranden in Deutschland

Nach dem Einmarsch russischer Truppen wurden neue Sanktionen verhängt. Nicht wenige westliche Firmen, darunter Visa und Mastercard, stellten ihre Geschäftstätigkeit in Russland ein. So geschah Folgendes:

„Hier (in Plettenberg) stehen seit mehreren Tagen vier Sattelzugmaschinen mit russischen Kennzeichen. Alle sind hier infolge des Ukraine-Krieges gestrandet. Jetzt fehlt es nicht nur an der Rückfracht, sondern auch an Benzin. Denn die Kreditkarten der russischen Fahrer sind gesperrt. Sie können nicht mehr tanken.“ Focus

Die Fernfahrer aus Russland konnten ziemlich wenig dafür, dass sich die Dinge in diese dramatische Richtung entwickelt hatten. Wer daran dachte, genügend Bargeld in der Reisetasche mitzuführen, war der politischen Situation nicht schutzlos ausgeliefert.

Kanada ruft Notstand aus und sperrt Bankkonten

In Kanada galt ab dem 15. Januar 2022, dass sich ungeimpfte Truckerfahrer in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen, sobald sie kanadischen Boden betreten. Für denjenigen, der sich nicht impfen lassen wollte, bedeutete das de facto, dass er seinen Beruf nicht weiter ausüben konnte.

So kam es, dass viele Trucks nach Ottawa fuhren und den Verkehr blockierten. Die Regierung sollte zum Einlenken gezwungen werden. Stattdessen aber rief der Premierminister den Notstand aus. Per Notverordnung wurde die Möglichkeit geschaffen, nicht nur Truckerfahrern, sondern auch Unterstützern der Proteste das Bankkonto einzufrieren. Schließlich begann die Sperrung von Girokonten, die Blockaden wurden beseitigt und der Notstand aufgehoben.

Auch an diesem Beispiel zeigt sich, dass Bargeld hilft, die eigene Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

WikiLeaks wird der Geldhahn zugedreht

Es ist zwar schon etwas länger her, aber dennoch eindrücklich. WikiLeaks ist die Plattform von Julian Assange. Millionen geheimer Dokumente gelangten über sie an die Öffentlichkeit. Dazu zählen etwa auch die Enthüllungen über amerikanische Kriegsverbrechen im Irak. Das war im Oktober 2010. Kaum einen Monat später sperrte Paypal WikiLeaks die Konten. Auch Mastercard, Visa und die Bank of America — alle offene Befürworter einer Bargeldabschaffung — froren die Transaktionen ein. Selbst die Schweizer Post Finance tat es.

Bargeld braucht die Bürger, die Bürger brauchen Bargeld

Bis zu 700 Liter Regenfall pro Quadratmeter in nur 30 Stunden. Solche rekordverdächtigen Niederschläge gab es in Australien Anfang März 2022. Gigantische Überschwemmungen zerstörten auch die Infrastruktur für die Strom-, Mobilfunk- und Internetversorgung. Weil die Kartenzahlung dann nicht mehr möglich war, musste etwas geschehen. So kam Bargeld mit dem Hubschrauber in das Krisengebiet.

Das Problem in Australien war, dass viele Leute kein Bargeld mehr zu Hause bei Seite gelegt hatten. Die Banken bemühten sich in der Vergangenheit kräftig, den Bürger davon zu entwöhnen. Zu diesem Zweck wurden zum Beispiel viele Geldautomaten abgebaut, damit sich der Bezug von Banknoten möglichst kompliziert gestaltet. Der australische Zentralbankchef bezeichnete die Reise in eine bargeldlose Welt als im „nationalen Interesse“.

Auch in Europa droht mittelfristig der Verlust einer adäquaten Möglichkeit, Bargeld abzuheben und Bargeld auszugeben. Je weniger Bürger mit Bargeld bezahlen, desto mehr Einzelhändler könnten dazu übergehen, die Barzahlung abzulehnen.

Je mehr Bankfilialen schließen, je mehr Automaten verschwinden, desto aufwendiger wird es für Händler, Bargeld auf ihre Konten einzuzahlen und desto komplizierter wird es für die Kunden, Bargeld zu besorgen.

Wenn der Bürger die Unabhängigkeit vor politischer Willkür, Stromausfällen, Hackerangriffen und Softwarefehlern bewahren möchte, muss er von seiner Freiheit Gebrauch machen. Denn die Freiheit verschwindet durch Nichtgebrauch! In Griechenland sind Barzahlungen bereits ab einem Einkaufswert von 500 Euro verboten.

Was kann der Bürger tun, um das Bargeld in die Zukunft zu retten? Er kann insbesondere:

  • im Alltag mit Bargeld bezahlen
  • mit seinen Mitmenschen über die Gefahren aus dem Verschwinden von Bargeld sprechen;
  • informative Artikel zum Thema verbreiten, wie Sie sie etwa auf dem Blog von Bargeldverbot.info finden
  • Flyer verteilen, die Sie selbst drucken lassen oder bestellen können.

Bargeldkomplott


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Affenpocken – wer bittet zur Kasse?

Das Ablenkungsmanöver

AffenpockenDie Angst vor Affenpocken könnte helfen, einige gefährdete Unternehmen zu retten.

von Rubikons Weltredaktion

Des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Wo viele Bürger beim Thema „Affenpocken“ schon entnervt aufstöhnen, weil sie nicht ohne Grund einen erneuten Pandemie-Terror fürchten, hören andere ihre Kassen klingeln. Bestimmte Pharmaunternehmen, die in der Vergangenheit — um es freundlich auszudrücken — umstritten waren und um ihre Existenz bangen mussten, spüren durch das sich anbahnende Affentheater jetzt wieder Auftrieb. Denn die Krankheit entwickelte sich passend zum biomedizinischen Spezialgebiet dieser Unternehmen. Es handelt sich — man darf raten! — um Pockenspezialisten. Das neu erworbene Image als Retter vor der Corona-Nachfolge-Pandemie könnte den Akteuren dabei helfen, dass die Öffentlichkeit über so manche Fehlleistung der Firmengeschichte großzügig hinweggeht.

von Whitney Webb

Noch vor wenigen Wochen befanden sich zwei korrupte Unternehmen in finanzieller Schieflage. Jetzt, da die Sorge um einen weltweiten Ausbruch der Affenpocken von den Medien und globalen Gesundheitsorganisationen gleichermaßen aufgebauscht wird, geraten die Sorgen — und Sünden — dieser beiden Unternehmen schnell in Vergessenheit.

In den letzten Tagen wurde in den Medien und in den Gesundheitsministerien auf der ganzen Welt die Besorgnis über einen weltweiten Ausbruch von Affenpocken, einer milden, mit den Pocken und Windpocken verwandten Krankheit, geschürt, was sogar zu einer Dringlichkeitssitzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte. Die einen befürchten, dass die Affenpocken die nächste Pandemie nach Covid-19 sein könnten.

Andere befürchten, dass die Affenpocken als neuester Vorwand benutzt werden, um drakonische Biosicherheitsmaßnahmen und globales Machtstreben weiter voranzutreiben.

Unabhängig davon, wie sich die Situation in Bezug auf die Affenpocken entwickelt, machen zwei Unternehmen bereits Kasse. Mit der zunehmenden Besorgnis über die Affenpocken sind auch die Aktien von Emergent Biosolutions und SIGA Technologies gestiegen.

Beide Unternehmen haben auf dem US-amerikanischen Markt und auch auf anderen Märkten praktisch ein Monopol auf Pockenimpfstoffe und -behandlungen. Ihre hauptsächlich auf Pocken ausgerichteten Produkte werden praktischerweise auch zum Schutz vor oder zur Behandlung von Affenpocken eingesetzt. Infolgedessen kletterten die Aktien von Emergent Biosolutions am Donnerstag um 12 Prozent, während die von SIGA um 17,1 Prozent zulegten.

Für diese Unternehmen ist die Angst vor den Affenpocken ein Geschenk des Himmels, insbesondere für SIGA, das ein Pockenmittel mit dem Markennamen TPOXX herstellt. Es ist das einzige Produkt von SIGA. Während einige Medien darauf hingewiesen haben, dass der Anstieg der Bewertung von SIGA Technologies mit den jüngsten Befürchtungen bezüglich der Pocken zusammenfiel, wurde der Tatsache, dass das Unternehmen offenbar der einzige Teil des Imperiums eines mächtigen Milliardärs ist, der noch nicht zusammenbricht, kaum Aufmerksamkeit geschenkt.

Dieser Milliardär, der „Corporate Raider“ Ron Perelman, hat tiefe und umstrittene Verbindungen zur Clinton-Familie und der Demokratischen Partei sowie beunruhigende Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Abgesehen von seiner Mehrheitsbeteiligung an SIGA hat Perelman in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht, weil er in einem verzweifelten Versuch, Bargeld zu beschaffen, viele seiner Vermögenswerte rasch liquidiert hat.

Auch Emergent Biosolutions ist in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen, das beunruhigende Verbindungen zu den Anthrax-Anschlägen von 2001 hat, geriet vor knapp zwei Wochen unter Beschuss, weil es Probleme bei der Qualitätskontrolle im Zusammenhang mit der Produktion von Covid-19-Impfstoffen vertuscht haben soll.

Eine Untersuchung des Kongresses ergab, dass Qualitätskontrollprobleme in einer von Emergent Biosolutions betriebenen Anlage dazu führten, dass mehr als 400 Millionen Dosen des Impfstoffs gegen Covid-19 weggeworfen wurden. Die betreffende Emergent-Fabrik war von der FDA im April 2021 geschlossen worden. Im vergangenen August durfte sie wieder öffnen, bevor die Regierung den Vertrag kündigte. Angesichts der Tatsache, dass der größte Teil des Geschäfts des Unternehmens an Verträge mit der US-Regierung gebunden ist, wird der Verlust dieses Vertrags und die damit einhergehende schlechte Publicity von dem Unternehmen wahrscheinlich als Geschenk des Himmels angesehen, da sein Pockenimpfstoff bald international von Interesse sein könnte.

Dies ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass beide Unternehmen von der von den Medien verbreiteten Angst vor einer Pandemie oder einem Bioterrorismus profitiert haben. Im November letzten Jahres gab es Spekulationen, dass das ausgerottete Pockenvirus bald wieder auftauchen könnte. Dies begann mit den Äußerungen von Bill Gates in einem Interview am 4. November 2021 zu den Aussichten auf einen Pocken-Bioterrorismus, gefolgt von der Ankündigung einer CDC/FBI-Untersuchung von 15 verdächtigen Fläschchen mit der Aufschrift „Pocken“ in einem Werk der Firma Merck in Philadelphia am 16. November. Jetzt, rund sechs Monate später, zahlen sich dieselben Befürchtungen für dieselben beiden Unternehmen erneut aus.

Ein mörderisches Unternehmen

Emergent Biosolutions war früher unter dem Namen BioPort bekannt. Das Unternehmen wurde von Fuad el-Hibri, einem libanesischen Geschäftsmann, gegründet, der seine Kontakte zu mächtigen ehemaligen US-Militärs und Politikern nutzte, um die Kontrolle über eine marode Fabrik in Michigan zu übernehmen. Es war die einzige Fabrik, die zur Herstellung eines Anthrax-Impfstoffs berechtigt war.

Der Milzbrand-Impfstoff war bereits vor der Übernahme durch BioPort als problematisch bekannt und wird von vielen Forschern als eine der Hauptursachen für das „Golfkriegssyndrom“ angesehen. Der Impfstoff selbst, der ursprünglich in Fort Detrick entwickelt wurde, wies zum Zeitpunkt seiner Verabreichung an die US-Soldaten im ersten Golfkrieg nur geringe oder gar keine Sicherheitsergebnisse auf — ein Problem, das nie behoben wurde. Die chronischen Sicherheitsprobleme und die schwerfällige Mehrfachverabreichung des Impfstoffs veranlassten BioPort/Emergent Biosolutions später dazu, jahrelang an der Entwicklung einer neuen Zusammensetzung ihres Anthrax-Impfstoffs.

Die Gründung von BioPort fiel mit den Bemühungen der Clinton-Regierung zusammen den Milzbrand-Impfstoff für alle Mitglieder der US-Streitkräfte vorzuschreiben. Mit der Kontrolle über die einzige Quelle für Milzbrandimpfstoff war BioPort in der Lage, einen großen Gewinn zu erzielen.

Nachdem das Unternehmen die Anlage in Michigan erworben hatte, nahm es große Summen von US-Regierungsgeldern in Anspruch, um angeblich Verbesserungen an dem Standort vorzunehmen. Das Unternehmen weigerte sich jedoch, die Gelder für die notwendigen Reparaturen zu verwenden, und gab das Geld stattdessen für die Büros seiner Führungskräfte und nicht für die Impfstofffabrik aus sowie weitere Millionen für Boni für das „Senior Management“.

Später stellten die Prüfer des Pentagons fest, dass noch weitere Millionen „verschwunden“ waren und die Mitarbeiter von BioPort nicht wussten, wie viel die Herstellung einer einzigen Impfstoffdosis kostete. Trotz der offensichtlichen Misswirtschaft und Korruption verlangte BioPort vom Pentagon, dass es ihm aus der Patsche helfen sollte, was auch geschah. In der Zwischenzeit verlor BioPort für die Anlage in Michigan ihre Lizenz, nachdem bei einer staatlichen Inspektion zahlreiche Sicherheitsmängel festgestellt wurden.

Im August 2001 stand BioPort jedoch kurz davor, die Verträge mit dem Pentagon zu verlieren — seine einzige Einnahmequelle. Das Pentagon begann mit der Ausarbeitung eines Berichts, der im September 2001 veröffentlicht werden sollte und in dem ein Plan für die Auflösung von BioPort beschrieben wurde. Aufgrund des Angriffs auf das Pentagon am 11. September 2001 wurde dieser Bericht nie veröffentlicht. Kurz darauf begannen die Anthrax-Anschläge von 2001.

Nur wenige Monate zuvor hatte BioPort das Battelle Memorial Institute unter Vertrag genommen, um sein marodes Impfstoffprogramm zu retten. Der Vertrag verschaffte Battelle „unmittelbaren Zugang zu dem Impfstoff“, und dieser wurde in Verbindung mit dem vom Pentagon finanzierten Milzbrandprogramm verwendet, an dem sowohl Ken Alibek als auch William C. Patrick III beteiligt waren, zwei Biowaffenexperten mit engen Verbindungen zur CIA. Dieses Programm war in der West Jefferson-Anlage von Battelle in Ohio untergebracht. Viele Ermittler halten diese Einrichtung für die Quelle des bei den Anschlägen von 2001 verwendeten Milzbrands.

Die Panik, die durch die Milzbrandanschläge ausgelöst wurde, veranlasste das Gesundheitsministerium (HHS), einzugreifen. Es erteilte BioPort im Januar 2002 seine Lizenz zurück, obwohl es weiterhin Sicherheitsbedenken gegen die Impfstoffproduktion in Michigan gab.

BioPort begnügte sich jedoch nicht mit der Wiederherstellung seiner früheren Verträge mit dem Pentagon, sondern begann, Lobbyarbeit für neue Verträge über Milzbrandimpfstoffe für amerikanische Zivilisten, Postangestellte und andere zu betreiben. Sie bekamen sie, vor allem dank Jerome Hauer, dem damaligen Berater des HHS für die Terrorismusbekämpfung und baldigen neuen stellvertretenden Sekretär des HHS. Hauer trat später in den Vorstand von BioPort ein, nachdem das Unternehmen 2004 in Emergent Biosolutions umbenannt worden war.

Solche Beispiele von Vetternwirtschaft sind bei Emergent Biosolutions keine Seltenheit. In der Tat hat sich das Unternehmen häufig auf Personen verlassen, die im Laufe ihrer Karriere durch die „Drehtür“ zwischen der pharmazeutischen Industrie und der Regierung gegangen sind, insbesondere auf solche, die nebenbei als Bioterror-Alarmisten arbeiten. Eine der wichtigsten Personen, die für den Erfolg des Unternehmens im Laufe der Jahre entscheidend waren, war Robert Kadlec. Kadlec war in den Wochen vor den Milzbrandanschlägen von 2001 der wichtigste Bioterror-Berater des Pentagon.

Monate zuvor hatte er an der Simulation Dark Winter vom Juni 2001 teilgenommen, in der wichtige Aspekte der späteren Milzbrandanschläge „vorhergesagt“ wurden. In der Folgezeit war Kadlec an der Ausarbeitung eines Großteils der Rechtsvorschriften beteiligt, mit denen die spätere Politik des Landes zur Bekämpfung von Bioterrorismus und Pandemien, einschließlich der BARDA und des Strategischen Nationalen Vorrats, geschaffen wurde.

Kurz nach seinem Ausscheiden aus der Regierung half Robert Kadlec 2012 bei der Gründung eines neuen Unternehmens namens „East West Protection“, das „integrierte Bereitschafts- und Reaktionssysteme für Gemeinden und souveräne Staaten“ entwickelt und liefert. Außerdem berät er das Unternehmen „Gemeinden und Länder in Fragen der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und natürliche Pandemien“.

Kadlec gründete das Unternehmen zusammen mit W. Craig Vanderwagen, dem ersten stellvertretenden HHS-Sekretär für Bereitschaft und Reaktion (eine Position, die Kadlec mit ins Gesetz geschrieben hatte und später selbst bekleidete). Der andere Mitbegründer von East West Protection war Fuad El-Hibri, der Gründer von BioPort/Emergent Biosolutions, der in jenem Jahr gerade als CEO von Emergent zurückgetreten war.

Kadlec wurde daraufhin zum Berater. Kadlecs Beratungsfirma RPK Consulting brachte ihm allein im Jahr 2014 451.000 US-Dollar ein, wobei er Emergent Biosolutions sowie andere Pharmaunternehmen wie Bavarian Nordic direkt beriet. Kadlec war auch als Berater für militärische und nachrichtendienstliche Auftragnehmer tätig, zum Beispiel für das von der DARPA unterstützte Unternehmen Invincea und den NSA-Auftragnehmer Scitor, der kürzlich von SAIC übernommen wurde.

Unter Trump kehrte Kadlec als HHS ASPR in die Regierung zurück, eine Position, die er zum Zeitpunkt des Beginns der Covid-19-Krise innehatte. Ein Jahr zuvor, im Jahr 2019, hatte Kadlec eine monatelange Simulation durchgeführt, die sich auf eine von China ausgehende globale Pandemie namens Crimson Contagion konzentrierte. Als die Covid-19-Krise ernsthaft begann, spielte er eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Covid-19-Impfstoffverträgen für Emergent Biosolutions, trotz seiner Interessenkonflikte, von denen er einige bei seiner Ernennung zum ASPR nicht offenlegen wollte.

Das korrupte Verhaltensmuster von Emergent Biosolutions, das mit dem Anthrax-Impfstoff begann, zeigt sich auch in den jüngsten Handlungen im Zusammenhang mit der Produktion von Covid-19-Impfstoffen. Laut dem jüngsten Bericht des Kongresses, der nur wenige Tage vor dem jüngsten Anstieg der Besorgnis über die Affenpocken veröffentlicht wurde, versuchten die Mitarbeiter von Emergent Biosolutions „absichtlich, Regierungsinspektoren über Probleme in die Irre zu führen“ und lehnten auch wiederholt Bemühungen von AstraZeneca und Johnson & Johnson ab, ihre Einrichtungen zu inspizieren.

„Trotz erheblicher Mängel in der Impfstoffproduktionsanlage haben die Führungskräfte von Emergent diese Probleme unter den Teppich gekehrt und weiterhin Steuergelder kassiert“, erklärte die Vorsitzende des House Oversight and Reform Committee, Carolyn Maloney (D-NY), bei der Veröffentlichung des Berichts. Solche „roten Fähnchen“ lassen sich jedoch in der gesamten Unternehmensgeschichte finden, wenn man sich die Zeit nimmt, danach zu suchen.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Kongressberichts gab Emergent Biosolutions bekannt, dass es die weltweiten Exklusivrechte für das „erste von der FDA zugelassene orale Pockenantivirus für alle Altersgruppen“ von der Firma Chimerix erwerben würde.

Das Medikament mit der Bezeichnung TEMBEXA ist ausschließlich für die Behandlung von Pocken bestimmt, die das Unternehmen als „eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit mit hoher Priorität“ bezeichnet. In der Pressemitteilung zum Erwerb von TEMBEXA heißt es, dass für das Produkt Verträge mit der US-Regierung in Millionenhöhe erwartet werden. Die FDA hat das Medikament im vergangenen Juni formell zugelassen.

Emergent Biosolutions besitzt zudem die Rechte an dem Pockenimpfstoff ACAM2000, der auch zur Behandlung von Affenpocken eingesetzt werden kann. Der ursprünglich von Sanofi hergestellte Impfstoff wurde 2017 von dem Unternehmen erworben. Infolgedessen hat das Unternehmen ein wesentliches Monopol auf Pockenimpfstoffe, da ACAM2000 „der einzige von der FDA zugelassene Impfstoff für die aktive Immunisierung gegen Pockenerkrankungen für Menschen ist, bei denen ein hohes Risiko für eine Pockeninfektion besteht“.

In Anbetracht der Erfolgsbilanz des Unternehmens stellt sich die Frage, warum Emergent Biosolutions in den letzten Monaten daran gearbeitet hat, einen Großteil seines Geschäfts auf Pockenbehandlungen umzustellen.

Es sind jedoch keine Spekulationen nötig, wenn man feststellt, dass die gegenwärtigen Ängste vor den Pocken dazu beitragen, das Unternehmen zu retten, dessen Aktien im bisherigen Jahresverlauf um etwa 26 Prozent gefallen waren, bevor die Besorgnis über den jüngsten Pockenausbruch zunahm.

Was auch immer aus der Affenpocken-Situation wird, die jahrzehntelange Erfolgsbilanz von Emergent Biosolutions ist unbestreitbar von Korruption und Vetternwirtschaft geprägt.

„BioArmor“ für Ron Perelmans schwächelndes Geschäftsimperium

SIGA Technologies, das seine Produkte mit „Human BioArmor“ vergleicht, hat ein Zitat von Bill Gates an den Anfang seiner „About“-Seite gestellt. Das Zitat lautet: „(…) die nächste Epidemie könnte auf dem Computerbildschirm eines Terroristen entstehen, der mit Hilfe der Gentechnik eine synthetische Version des Pockenvirus herstellen will (…)“.

Das Zitat stammt aus Bill Gates‘ Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2017, in der er die Bedrohung durch Pocken als Argument für die Zusammenlegung von „Gesundheitssicherheit“ und „internationaler Sicherheit“ anführt. Im vergangenen März wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine globale Pandemie simuliert, die durch ein „gentechnisch hergestelltes Affenpockenvirus“ ausgelöst wurde.

SIGA ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das versucht, seine Nische in der Mitte zwischen „Gesundheitssicherheit“ und „internationaler Sicherheit“ zu finden. Es bietet speziell „Lösungen für ungedeckte Bedürfnisse auf dem Markt für Gesundheitssicherheit, der medizinische Gegenmaßnahmen gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare (CBRN) Bedrohungen sowie neu auftretende Infektionskrankheiten umfasst.“

Die Mehrzahl der Verträge für medizinische CBRN-Gegenmaßnahmen in den USA wird vom Pentagon finanziert. SIGA wirbt zwar damit, ein Unternehmen zu sein, das sich auf CBRN-Bedrohungen spezialisiert hat, konzentriert sich aber im Moment ausschließlich auf Pocken.

In der Tat ist SIGA Technologies derzeit nur im Falle eines tatsächlichen Ausbruchs von Pocken oder einer verwandten Krankheit rentabel, oder wenn die Angst vor einem Pocken-Bioterror-Ereignis groß ist. Insbesondere die Sorge um Letzteres hat dazu geführt, dass das Unternehmen Regierungsaufträge für die Produktion von TPOXX für das Strategic National Stockpile (SNS) erhalten hat. Der Grund dafür ist, dass TPOXX nur zur Behandlung einer aktiven Pocken- oder Affenpockeninfektion eingesetzt wird, nicht aber zu deren Vorbeugung.

Das bedeutet, dass es nur sinnvoll ist, wenn Pocken, Affenpocken oder eine verwandte Krankheit Menschen aktiv infizieren oder wenn ein hohes Risiko besteht, dass eine dieser Krankheiten bald große Gruppen von Menschen infizieren wird. TPOXX wurde erstmals 2018 von der FDA und im vergangenen Januar von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Erst am vergangenen Donnerstag hat die FDA eine intravenöse Version von TPOXX zugelassen. Insgesamt hat SIGA für die Entwicklung von TPOXX über 1 Milliarde US-Dollar von der US-Regierung erhalten.

SIGA arbeitet derzeit mit der BARDA des HHS, dem Verteidigungsministerium, der CDC und den NIH zusammen. Ein weiterer Partner ist Lonza, ein europäischer Pharmahersteller, der sowohl mit dem Weltwirtschaftsforum als auch mit Moderna zusammenarbeitet.

Der CEO von SIGA, Phillip Gomez (About SIGA — SIGA: Human BioArmor), ist ein ehemaliger Mitarbeiter von PRTM Consulting (Logga in | LinkedIn), wo er eng mit Robert Kadlec zusammengearbeitet hat, da sich die Tätigkeiten der beiden Männer als Direktoren des Unternehmens überschnitten und beide Regierungsbehörden in Fragen der öffentlichen Gesundheit und der biologischen Verteidigung berieten.

SIGA ist auch deshalb bemerkenswert, weil es möglicherweise das einzige Unternehmen im Geschäftsimperium des Corporate Raiders Ron Perelman ist, das nicht mit wachsenden Schuldenbergen verbunden ist. Perelman ist einer der berüchtigten Corporate Raiders aus den 1980er Jahren, die mit Junk Bonds finanzierte Firmenübernahmen durchführten, insbesondere solche, die mit Michael Milkens Drexel Burnham Lambert verbunden waren. Perelmans Geschäftstaktiken sind seit langem von seinem vulkanischen Temperament und seiner Rücksichtslosigkeit geprägt.

Der ehemalige CEO von Salomon Brothers, John Gutfruend, bemerkte einmal, dass „zu glauben, dass Herr Perelman keine feindlichen Absichten hat, so ist, als würde man an die Existenz der Zahnfee glauben“.

Perelman ist auch als langjähriger Gönner der Clinton-Familie bekannt, obwohl er in jüngster Zeit für die politischen Kampagnen von Donald Trump gespendet hat. Perelman interessierte sich offenbar erstmals für den Einfluss der Clintons, nachdem er 1994 Patricia Duff geheiratet hatte. Duff war eng mit der Demokratischen Partei verbunden, da sie für den demokratischen Meinungsforscher Pat Cadell gearbeitet hatte und ebenfalls für den Ausschuss des Repräsentantenhauses, der die Ermordung von John F. Kennedy und Martin Luther King Jr. „untersuchte“.

Als Perelmans Ehefrau stilisierte sich Duff zu einer führenden Spendensammlerin der Demokraten, wofür das Spendendinner von 1995 sinnbildlich ist. Außerdem nahm Perelman 1995 an einem 1000-Dollar Abendessen für die Clintons in New York teil, bei dem er dem Präsidenten gegenüber saß, sowie an einem Staatsbankett für den brasilianischen Präsidenten im Weißen Haus.

Seine Großzügigkeit gegenüber dem politischen Apparat der Clintons führte dazu, dass Perelman 1995 von Clinton in das Kuratorium des Kennedy Centers berufen wurde. Andere, weniger öffentliche Gesten der Clintons waren wahrscheinlich, da Perelman der First Family viel mehr bot, als er im Gegenzug erhalten zu haben scheint. Der vielleicht bemerkenswerteste Gefallen, den Perelman Bill Clinton erwies, war, dass er skandalumwitterten Mitgliedern seiner Verwaltung, Webster Hubbell und Monica Lewinsky, im Zuge ihrer jeweiligen Kontroversen Arbeitsplätze anbot.

Nachdem die Jobangebote öffentlich bekannt wurden, wurden Hubbell und Lewinsky jedoch entlassen, obwohl die Angebote später die Aufmerksamkeit des unabhängigen Anwalts Ken Starr erregten. Starr hat Perelman oder die Angebote, die er Hubbell oder Lewinsky gemacht hatte, nie vorgeladen oder untersucht.

Die umstrittenen Einstellungen waren zwischen Perelman und dem Clinton-Berater Vernon Jordan arrangiert worden, der im Vorstand von Revlon, einem von Perelman kontrollierten Unternehmen, saß, während seine Frau Mitglied des Vorstands einer anderen Perelman gehörenden Firma war. Jordan war als Clintons „Verbindungsmann zu den Mächtigen“ bekannt und hatte Clinton 1991 zur Bilderberg-Konferenz mitgenommen.

Zu der Entscheidung, Lewinsky nach dem Skandal einzustellen, sagte ein ehemaliger Geschäftspartner Perelmans gegenüber der Washington Post: „Das ist wie bei der Mafia, das läuft alles verschlüsselt ab“, und fügte hinzu:

„Ich kann Ihnen versichern, dass Ronald die Entscheidung getroffen hat, Lewinsky den Job zu geben. Und ich kann Ihnen versichern, dass er nicht wissen wollte, warum Jordan gefragt hat.“

1995 veranstaltete Perelman in seiner Villa eine Spendenaktion für Clinton, an der unter anderem der Sänger Jimmy Buffett, der Miami Vice-Schauspieler Don Johnson, die damalige Ehefrau von Michael Douglas, Deandra, und der DNC-Mitvorsitzende Don Fowler teilnahmen. Weitere Gäste waren A. Paul Prosperi, ein korrupter Clinton-Kumpan, und der inzwischen berüchtigte Jeffrey Epstein. Clinton selbst nahm an der Benefizveranstaltung teil.

Nach Angaben der Palm Beach Post hatten die Gäste mindestens 100.000 Dollar an das DNC gespendet, um an dem Abendessen mit dem Präsidenten teilnehmen zu können. Dies geschah natürlich im Vorfeld der Wahlen von 1996, und das DNC sollte später wegen illegaler Spendensammlungen intensiv unter die Lupe genommen werden.

Diese Benefizveranstaltung war nicht Epsteins einzige Interaktion mit Perelman — Perelman wurde später in dem von Vicky Ward verfassten Vanity Fair-Profil aus dem Jahr 2003 als häufiger Gast Epsteins beim Abendessen aufgeführt und ist in Epsteins schwarzem Buch der Kontakte verzeichnet.

Die meiste Zeit der 2000er Jahre saß Perelman auf einem riesigen, ständig wachsenden Vermögen. Doch seit 2020 hat sich Perelman „von Vermögenswerten getrennt: ‚Viele davon. Rapidly.‘“ Das begann mit dem Verkauf wertvoller Gemälde bei Sotheby’s und weitete sich bald auf Perelmans Investmentgesellschaft MacAndrews & Forbes aus, die sich im selben Jahr von ihren Anteilen an zwei Unternehmen trennte, darunter Anteile an Scientific Games im Wert von 1 Milliarde Dollar. Laut MoneyWeek sank Perelmans Nettovermögen von 19 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf 4,2 Milliarden Dollar Ende 2020, „was zu Spekulationen führte, dass ihm das Geld ausgeht“.

Im Laufe des letzten Jahres hat Perelman seine „Verkleinerung“ fortgesetzt und versucht, sein Anwesen in den Hamptons für 115 Millionen Dollar, ein weiteres 57-Morgen-Anwesen im Wert von 180 Millionen Dollar und zwei Stadthäuser in Manhattans Upper East Side für 60 Millionen Dollar zu verkaufen.

Auch andere Vermögenswerte von Perelmans Firma MacAndrews & Forbes versinken in den Schulden. Einer der wenigen Vermögenswerte des Unternehmens, der derzeit weder Geld verliert noch mit Schulden zu kämpfen hat, sind seine Anteile an SIGA Technologies. Perelmans Hauptunternehmen, MacAndrews & Forbes, ist seit langem einer der größten Investoren von SIGA und bleibt mit einem Anteil von 33 Prozent aller Aktien der größte Aktionär.

Seit Perelman bei SIGA eingestiegen ist, wird das Unternehmen von Korruptionsvorwürfen geplagt. So erhielt SIGA im Mai 2011 einen nicht ausgeschriebenen Auftrag im Wert von rund 433 Millionen US-Dollar zur Entwicklung und Herstellung von 1,7 Millionen Dosen eines antiviralen Medikaments gegen Pocken.

Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Beweise dafür, dass das fragliche Pockenmedikament zur Behandlung der Krankheit geeignet war, und einige HHS-Mitarbeiter äußerten die Befürchtung, dass die Investitionsrendite von SIGA aus dem Vertrag „unverschämt“ sei. Man begann, den Vertrag zu untersuchen, weil man befürchtete, dass SIGA den Auftrag gerade deshalb erhalten hatte, weil das Unternehmen von Perelman kontrolliert wurde, der viel für Barack Obama gespendet hatte. Damals berichtete CNN über Perelmans Verbindungen zum Weißen Haus Obamas Folgendes:

„Ronald Perelman ist Mehrheitsaktionär von SIGA Technologies und ein langjähriger Aktivist und Geldbeschaffer der Demokratischen Partei. Er ist auch ein großer Spender für die Republikaner, war aber ein besonderer Freund des Weißen Hauses von Obama.

Ebenfalls im Verwaltungsrat von SIGA sitzt Andy Stern, ehemaliger Präsident der Service Employees International Union, der enge Beziehungen zur Obama-Regierung unterhält und die Gesundheitsinitiativen von Präsident Barack Obama unterstützt hat.“

Aufgrund dieser Bedenken und des möglichen Interessenkonflikts wurde eine Untersuchung des Kongresses eingeleitet. Wenige Tage, nachdem sie erfuhren, dass dieser wichtige Regierungsvertrag in Gefahr sein könnte, verkauften SIGA-Führungskräfte große Mengen an Unternehmensaktien zu einem Durchschnittspreis von 13,46 Dollar pro Aktie und brachten dem damaligen Chief Executive Officer und Chief Scientific Officer Millionen von Dollar ein. Einen Monat später gab das Unternehmen bekannt, dass der Vertrag gekürzt worden war, und die Aktien des Unternehmens fielen bis Dezember auf unter 2 Dollar.

Was ist von dem jüngsten Medienrummel um die Affenpocken zu halten, wenn man bedenkt, dass Perelman während der Obama-Regierung, als Präsident Joe Biden Vizepräsident war, in der Vergangenheit der „Bestechung“ beschuldigt wurde? Oder von den Befürchtungen, die letztes Jahr wegen eines Bioterrorismus-Ereignisses mit Pocken aufkamen?

Vielleicht ist es wichtiger, andere Fragen zu stellen: Warum wurde Perelmans Rolle bei SIGA in der jüngsten Berichterstattung über das Unternehmen weitgehend verschleiert oder völlig ignoriert? Warum wurde die schreckliche Erfolgsbilanz von Emergent Biosolutions ebenfalls aus den jüngsten Berichten ausgeklammert, einschließlich der großen Beschwerden des Kongresses, die vor weniger als zwei Wochen gegen das Unternehmen erhoben wurden?

Es scheint, dass die Angst, die um die Affenpocken geschürt wird, nicht nur die Aktien dieser beiden miesen Unternehmen in die Höhe treibt, sondern auch dazu beiträgt, dass die Öffentlichkeit deren vergangene Sünden vergisst.


Redaktionelle Anmerkung: Der Beitrag erschien am 20. Mai 2022 unter dem Titel „Monkeypox Fears May Rescue Endangered Corporations“. Er wurde vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 15.06.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Ukraine – es geht um Kohle, Eisen…

UkraineUm Ziele geht es dem Westen in der Ukraine? Abgesehen von politischen Zielen geht es ums Geld – um den Reichtum der Ukraine.

Der Reichtum der Ukraine aus der Perspektive des Westens

Larry C. Johnson hat in einem Blogbeitrag vom 13.06.2022 das Interesse der Herrschenden im Westen an der Ukraine näher betrachtet und versucht eine Antwort auf die Frage zu finden: „Warum der Westen nach der Ukraine giert“.

Denn allgemein gilt ja: „Nun wissen wir alle, dass die Ukraine das ärmste Land in Europa war/ist. Richtig?“

„Die Ukraine ist eines der am schlechtesten gestellten Länder nach dem Zusammenbruch der UdSSR. Sie ist das ärmste Land in Europa, obwohl sie über eine riesige Luft- und Raumfahrtindustrie, natürliche Ressourcen und einige der fruchtbarsten Böden für die Landwirtschaft verfügt. Während der kommunistischen Ära war die Ukraine die Kornkammer der Sowjetunion. Trotz alledem haben die Ukrainer schreckliche Hungersnöte wie den stalinistischen Holodomor erlebt.

Heute ist die Situation nicht viel besser. Abgesehen davon, dass das Land einen Krieg mit Russland ertragen muss, ist sein politisches System besonders korrupt. Fast die gesamte Wirtschaft befindet sich in den Händen großer Oligarchen: Millionäre, die dank ihrer Verbindungen zur politischen Macht ein Vermögen anhäufen.“

Soll sich die Riesenhilfe des Westens allein dafür rechnen, dieses System zu erhalten und zu verteidigen?

Doch dass die Ukraine arm und das politische System korrupt ist, ist nicht die ganze Wahrheit. Larry Johnson hat einige wirtschaftliche Fakten zusammengetragen, die eher die Frage aufwerfen, warum die Ukraine nicht zu den reichsten Ländern Europas gehört.

„Die Ukraine belegt:

  • Platz 1 in Europa bei den nachgewiesenen abbaubaren Uranerzreserven;
  • Platz 2 in Europa und Platz 10 in der Welt bei den Titanerzreserven;
  • Platz 2 in der Welt bei den erschlossenen Manganerzreserven (2,3 Mrd. Tonnen, d. h. 12 % der Weltreserven);
  • Die zweitgrößten Eisenerzreserven der Welt (30 Milliarden Tonnen);
  • Platz 2 in Europa bei den Quecksilbererzreserven;
  • Platz 3 in Europa (Platz 13 in der Welt) bei den Schiefergasreserven (22 Billionen Kubikmeter)
  • Platz 4 in der Welt in Bezug auf den Gesamtwert der natürlichen Ressourcen;
    Platz 7 in der Welt bei den Kohlereserven (33,9 Milliarden Tonnen).

Die Ukraine ist ein wichtiges Agrarland:

  • Platz 1 in Europa in Bezug auf die Ackerfläche;
  • Platz 3 in der Welt nach der Anbaufläche von Schwarzerde (25% des Weltvolumens);
  • Platz 1 in der Welt bei der Ausfuhr von Sonnenblumen und Sonnenblumenöl;
  • Platz 2 in der Welt bei der Gerstenproduktion und Platz 4 beim Gerstenexport;
  • der 3. größte Produzent und 4. größte Exporteur von Mais in der Welt;
  • der 4. größte Kartoffelerzeuger der Welt;
  • der 5. größte Roggenproduzent der Welt;
  • Platz 5 in der Welt bei der Honigproduktion (75.000 Tonnen);
  • Platz 8 in der Welt bei den Weizenexporten;
  • Platz 9 in der Welt bei der Produktion von Hühnereiern;
  • Platz 16 in der Welt bei der Ausfuhr von Käse.

Die Ukraine kann den Nahrungsmittelbedarf von 600 Millionen Menschen decken.

Die Ukraine war ein wichtiges industriell entwickeltes Land:

  • Platz 1 in Europa bei der Ammoniakproduktion;
  • betreibt die 2. und 4. größten Erdgaspipelinesysteme der Welt;
  • 3. Platz in Europa und 8. Platz in der Welt in Bezug auf die installierte Kapazität von Kernkraftwerken;
  • Platz 3 in Europa und Platz 11 in der Welt in Bezug auf die Länge des Eisenbahnnetzes (21.700 km);
  • Platz 3 in der Welt (nach den USA und Frankreich) bei der Produktion von Ortungsgeräten und Navigationsausrüstung;
  • 3. größter Eisenexporteur der Welt;
  • 4. größter Exporteur von Turbinen für Kernkraftwerke in der Welt;
  • der weltweit 4. größte Hersteller von Raketenwerfern;
  • 4. Platz in der Welt bei der Ausfuhr von Ton;
  • 4. Platz in der Welt bei den Titanexporten;
  • 8. Platz in der Welt bei der Ausfuhr von Erzen und Konzentraten;
  • Platz 9 in der Welt bei der Ausfuhr von Produkten der Verteidigungsindustrie;
  • der 10. größte Stahlproduzent der Welt (32,4 Millionen Tonnen).“

Angesichts dieser Liste kommt Larry Johnson zu der Erkenntnis:

„Ich fand diese Liste überwältigend. Ein Land mit diesen natürlichen Reichtümern sollte wirtschaftlich an der Spitze der Welt stehen. Aber die Ukraine hinkt dem Rest Europas hinterher. Die Erklärung ist einfach – westliche Politiker und Geschäftsleute wie Mitt Romney, John Kerry, Joe Biden, Nancy Pelosi, John McCain und eine Legion anderer haben ihre Finger in der Ukraine und enteignen den ukrainischen Reichtum für ihre eigene Bereicherung.“

Außer diesen direkten natürlichen Ressourcen sei nicht zu vergessen, welche Folgen die Verfügungsgewalt über die Ressourcen für weitere wirtschaftliche Bereiche hat. Larry Johnson verdeutlicht das am Beispiel der Titanvorkommen und -exporte.

„Bedenken Sie, dass die Ukraine der viertgrößte Exporteur von Titan ist. Welches sind die wichtigsten Produkte, für die Titan benötigt wird?

Luft- und Raumfahrtindustrie – In westlichen Ländern wie den Vereinigten Staaten werden 60 % der Titanwerkstoffe in der Luft- und Raumfahrt verwendet. Mit der rasanten Entwicklung der asiatischen Luft- und Raumfahrt in den letzten Jahren wird der Verbrauch von Titan in der Luft- und Raumfahrtindustrie jedoch entsprechend steigen.

Automobilindustrie – Der bevorzugte Weg zur Gewichtsreduzierung von Automobilen ist der Ersatz traditioneller Materialien wie Stahl durch hochfeste, leichte Materialien wie Aluminium, Magnesium und Titan.

Medizinische Industrie – Titan hat eine breite Palette von Anwendungen im medizinischen Bereich. Titan ist dem menschlichen Knochen sehr ähnlich, weist eine gute Biokompatibilität mit menschlichem Gewebe auf und hat keine toxischen Nebeneffekte. Humanimplantate sind spezielle Funktionsmaterialien, die eng mit dem menschlichen Leben und der Gesundheit verbunden sind. Im Vergleich zu anderen metallischen Werkstoffen bieten Titan und Titanlegierungen vor allem folgende Vorteile: geringes Gewicht, niedriger Elastizitätsmodul, nicht magnetisch, ungiftig, korrosionsbeständig, hohe Festigkeit und gute Zähigkeit.

Chemische Industrie – Titan hat sich zu einem der wichtigsten korrosionsbeständigen Werkstoffe in chemischen Anlagen entwickelt und seinen Status als korrosionsbeständiger Werkstoff in chemischen Anlagen gefestigt. Als ideales Material für chemische Anlagen hat Titan auch mehr und mehr die Aufmerksamkeit von Technikern auf sich gezogen.

Meerestechnik – Titan hat eine ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit gegenüber Meerwasser und wird häufig in der Meerwasserentsalzung, in Schiffen, bei der Entwicklung von Meeresenergie und bei der Gewinnung von Unterwasserressourcen eingesetzt.

Sportindustrie – Titan wird wegen seines geringen Gewichts und seiner hohen Festigkeit in Sportartikeln verwendet. Die Verwendung von Titan hat sich von den ersten Tennis- und Badmintonschlägern allmählich auf Golfköpfe, Schläger und Rennwagen ausgeweitet.“

Angesichts dieses Ressourcenreichtums stellt Larry Johnson fest:

„Mit diesem Reichtum an natürlichen Ressourcen hätte die Ukraine theoretisch die Nase vorn haben und Deutschland als Wirtschaftsmacht überholen können. Aber Korruption und Insiderhandel hatten Vorrang, und das ukrainische Volk litt, während sich die Familien Biden, Clinton, Kerry und Romney bereicherten…

aber ich vermute, dass viele dieser Reichtümer auf dem von Russland besetzten Gebiet der Ukraine liegen. In Anbetracht dessen, was Putin in den letzten 20 Jahren in Russland erreicht hat, indem er den Händen unersättlicher Oligarchen und gut vernetzter westlicher Politiker und Unternehmen die Monopolkontrolle entrissen hat, wette ich, dass die Teile der Ukraine, die nun Teil Russlands werden sollen, eine bessere und reichere Zukunft haben werden.“

Zugleich ist zu erwarten, dass damit auch die Herausforderungen für den Westen steigen. Denn diese Ressourcen drohen zumindest teilweise dem Westen zu entgleiten, je schwächer die Ukraine militärisch, politisch und wirtschaftlich wird. Um diese Meinung zu verdeutlichen zitiert er aus einem Artikel in THE HILL.

„Matt Bowen und Paul Babbar schreiben in The Hill über eine potenziell schreckliche Herausforderung für den Westen an der Atomkraftfront:

Die führenden Politiker des Westens müssen unverzüglich ihre Abhängigkeit von russischen Kernenergieexporten überdenken und Maßnahmen ergreifen, um sie zu verringern, sonst droht ihnen ein weiterer Energieschock durch Putin.

Es gibt mehrere Segmente der kommerziellen nuklearen Wertschöpfungskette, in denen ein russischer Lieferant die Verfügbarkeit eines Reaktors im Westen zur Energieversorgung beeinträchtigen könnte. Bei Kernbrennstoff sind dies Uranabbau und -vermahlung, Umwandlung, Anreicherung und Brennstoffherstellung. Bei bestehenden Reaktoren russischer Bauart gehören dazu die Bereitstellung von Ersatzteilen und Dienstleistungen des Originalherstellers.

Russland hat über sein staatliches Atomunternehmen Rosatom einen erheblichen Marktanteil an vielen dieser Teile der nuklearen Lieferkette. Aus diesem Grund befinden sich verschiedene Länder auf der ganzen Welt in einer schwierigen Situation, darunter auch die USA. Sie möchten sich vielleicht aus dem Bezug von Kernenergielieferungen von Rosatom zurückziehen, um das Risiko in der Lieferkette zu verringern und keine Gelder mehr nach Russland zu schicken, sind aber gleichzeitig für den Betrieb ihrer Reaktoren auf russische Dienstleistungen und Materialien angewiesen.

Was ist durch Russlands nukleare Vormachtstellung in Gefahr?

Unter Berücksichtigung dieser Fakten hält er die Entscheidung des US-Präsidenten für eine noch dümmere außenpolitische Entscheidung als die von George W. Bush, „in den Irak einzumarschieren, anstatt Al-Qaida zu eliminieren“. Denn indem er Russland Sanktionen auferlegt, fügt er „den Vereinigten Staaten und Europa einen wirtschaftlichen Holocaust“ zu. Sein Fazit:

„Wenn Sie sich mit dem falschen Narrativ herumgeschlagen haben, dass Russland ein wirtschaftlicher Zwerg ist, der versucht, mit den so genannten ‚Großen der ersten Welt‘ mitzuspielen, dann zeigen diese Fakten, dass Sie mit einem massiven, falschen Narrativ gefüttert wurden. Russlands natürliche Ressourcen sind größer als die der Ukraine. Ein vereintes Russland und eine vereinigte Ukraine stellen ein wahres wirtschaftliches Kraftzentrum dar. Diese beiden Länder stellen tatsächlich Dinge her und verfügen über die notwendigen internen Ressourcen, um sie zu produzieren. Die Vereinigten Staaten und Europa haben das nicht. Und es gibt keine alternativen Vorräte in anderen Ländern, die das ersetzen könnten, was Russland und die Ukraine abbauen und ernten. Aus diesem Grund versuchen die Vereinigten Staaten und Europa verzweifelt, Russland zu schwächen. Die Schrift ist an der Wand für alle zu lesen.“

(Links wie im Original)


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Renteninformation – Patrick Greiner erklärt

Renteninformation von BILD: „Freiwille Rentenzahlungen lohnen sich JETZT besonders!“ – Patrick Greiner hilft zum Verständnis.

Renteninformation einmal genauer erklärt

Am 31.05.2022 meldete BILD, wie wir ganz einfach mehr Rente bekommen: Mehr Geld im Alter Freiwillige Rentenzahlungen lohnen sich JETZT besonders.

Klingt gut! Wie kommen die Autoren zu dieser Empfehlung?

Versuchen wir einmal die Erklärung von Patrick Greiner nachzuvollziehen und Antwort auf folgende Fragen zu finden:

  1. Wie viele Entgeltpunkte bekomme ich entsprechend meines jährl. Brutto-Einkommens?
  2. Wie hoch ist die staatliche Rente, die ich bis heute bereits erwirtschaftet habe?
  3. Wie hoch wird meine zukünftige, staatliche Rente bei einer 2% Anpassung ausfallen?
  4. Wie viele Steuern muss ich später auf meine staatliche Rente zahlen?
  5. Wie viele Krankenversicherungs / Pflegeversicherungsbeiträge muss ich später zahlen?
  6. Wie hoch wird meine staatliche Rente (Inflationsbereinigt) später tatsächlich ausfallen?

Alle diese Information stehen tatsächlich in der jährlichen Renteninformation!

Wie eine solche Renteninformation zu verstehen ist, und wo alle diese Informationen zu finden sind, zeigt Patrick in diesem Video:

Jetzt alles klar?

Gut. Dann wissen wir, was wir von der BILD-Empfehlung halten können.

Heiße Tipps sind gut, aber sie haben einen Fehler: Sie nützen nicht allen gleichermaßen, nicht jeder kann sie sich leisten und sie passen nicht zu jedem.

Besser als jeder „Megatipp“ ist es, das Finanzsystem zu verstehen … und dann selbst zu entscheiden. Dazu kann dieses Buch helfen:

Deine beste Investition

Dossier Rente

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Sanktionen gegen Rußland wirken zurück

Sanktionen - Bärenmarkt

Wie die Sanktionen gegen Russland wirtschaftlich auf die USA zurückwirken. Ein US-Finanzexperte und Investor sieht Risiken.

Sanktionen wirken zurück

Warren Strauss ist ein US Finanzexperte und Investor. Unlängst sendete er seinem „guten Freund“ Larry C. Johnson einen Text zur Information mit der Sicht von Warren Strauss auf die Sanktionen gegenüber Russland.

Sicher, damit steht Strauss nicht allein. Auch Christian Kreiss (hier, hier und hier), Mathias Bröckers, Cameron Leckie und Sergey Glazyev wurden hier schon mit einer ähnlichen Sichtweise vorgestellt. Larry Johnson erhielt von Warren Strauss die Erlaubnis, den Text auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Die gegenwärtige Lage schätzt Strauss als einen „brutalen Bärenmarkt“ ein.

Wenn der letzte Bärenmarkt von 2000 bis 2002 rund 2 1/2 Jahredauerte, dann hat der jetzige das Zeug dazu, noch viel schlimmer zu werden. Wie viel schlimmer, sei schwer zu sagen. Dafür sieht er vor allem vier Gründe:

  1. Die strukturelle heiße Inflation. Sie sei das Ergebnis der derzeitigen US-Innenpolitik. Die USA hätten den Bergbau, die Bohrungen nach natürlichen Ressourcen auf US-Bundesland und Offshore-Bohrungen einschränkt und Projekte verhindert, die den Transport und die Lagerung von Öl, Erdgas und Flüssiggas sowie den Abbau wichtiger Mineralien erleichtert hätten. Damit habe die Politik die Produktion eingeschränkt. Weniger verfügbares Angebot treibt die Preise in die Höhe. Dass der Präsident stattdessen Bergbau und Bohrungen in anderen Teilen der Welt, z. B. in Venezuela und im Nahen Osten fördere, bezeichnet Strauss als „erbärmlich heuchlerisch“, denn es verringere die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der USA.
  2. Umkehr der FED-Politik. Die FED habe seit 2008 kontinuierlich die Zinssätze auf „Null gesenkt und darüber hinaus Mittel geschaffen, um die Explosion, ja Explosion, der US-Staatsschulden von 4 Billionen Dollar im Jahr 2000 auf heute 30 Billionen Dollar zu finanzieren“. Welche Folgen damit verbunden sind, verdeutlicht er an den Leitzinsen, die von 5 % im Jahr 2000 auf aktuell 1,0 % gesunken seien. Ähnlich die 10-jährige Staatsanleihen, die damals bei 8 % lagen und heute bei 2,8 % liegen. Schließlich betrug 2000 die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP 20 %, heute liege sie bei 120 %.
  3. Globale Instabilität, von Osteuropa und der „chinesischen Aggression gegen Hongkong und Taiwan“. Ein großes Problem für die USA sei deren beschränkte Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Denn ein erheblicher Teil der notwendigen und nützlichen Technologie bezzögen die USA aus Regionen, „in denen ein feindliches Regime die Fabriken kontrolliert“. Damit bestehe die Gefahr von Lieferengpässen und das Risiko der Cyberunsicherheit. Zudem hätten Boykottmaßnahmen und Sanktionen des Westens auf Russlands spezielle Militäroperation in der Ukraine die Inflation noch verschlimmert. Dies träfet die unteren Einkommensschichten am härtesten.
  4. Merkwürdiger Betrug in den sozialen Medien. Aufgrund gefälschter Bot-Konten könnten Werbetreibende ihre bisherigen und zukünftigen Zahlungen für Werbung hinterfragen, was die Geschäftsmodelle von Social-Media-Unternehmen gefährde. „Es könnte sein, dass die aktuellen Bewertungen für Social-Media-Unternehmen immer noch überbewertet sind und dass in den nächsten Quartalen ein starker Rückgang ihrer Aktienkurse ‚in den Karten‘ steht.“

Darüber hinaus verweist Warren Strauss auf weitere Risiken, „wie z. B. eine destruktive Steuerpolitik, innere Unruhen, das Aufeinanderprallen von Ideologien im Inland, Angriffe auf die US-Justiz und fortgesetzter grober Wahlbetrug sowie eine Gesundheitspolitik, die auf falschen Annahmen beruht, nur um Freiheitsrechte zu verletzen.“ Damit entstünde eine wesentliche gefährlichere Situation als die Kubakrise.

„Ich kann mir keine Zeit in meinem Leben (ich bin 1952 geboren) vorstellen, die gefährlicher war als die jetzige. Selbst in der Kubakrise gab es nicht so viele verschiedene Bedrohungen aus so vielen verschiedenen Quellen. Es handelte sich um eine als existenziell empfundene Bedrohung durch die Atommacht Russland, die eine nukleare Bedrohung in unmittelbarer Nähe unserer Grenzen aufbaute. Das kommt mir heute bekannt vor, wo die NATO aggressive Streitkräfte an der russischen Grenze aufstellt und seit 2020 die Idee vorantreibt, die Ukraine in die NATO aufzunehmen.“

Die Aktienmärkte reagierten bisher nur freiwillig. Wenn jedoch der Bärenmarkt in die Phasen der unfreiwilligen Liquidation oder dem „Zwangsverkauf“ eintritt, dann wird die finanzielle Hebelwirkung den Reichtum zerstören.

„Heute hören wir immer noch irrationale Plattitüden, die uns ermutigen, investiert zu bleiben. Diese Plattitüden haben keine grundsätzliche Berechtigung, da sie naiv dazu verleiten, auf positive Renditen zu hoffen, die ‚gleich um die Ecke‘ liegen.“

Zu den Bereichen, in denen das Aktienrisiko jetzt sinnvoll sein könnte, gehörten die Produktion von US-Erdgas für den Inlandsverbrauch oder Export nach Europa. Ähnlich nützlich sei die Produzenten von Kupfer, Nickel, Stahl, Eisenerz, Platingruppenmetallen, Gold (natürlich), Silber und Phosphatdünger, um die kommende Nahrungsmittelknappheit zu lindern.


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COVID-19-Pandemie – alle 30 Stunden ein neuer Milliardär

Alle 30 Stunden ein MilliardärEine Studie der internationalen Wohltätigkeitsorganisation Oxfam ergab: während der COVID-19-Pandemie gab es alle 30 Stunden einen neuen Milliardär auf der Welt

Dank Covid-19 mehr Milliardäre – und Armut

Unter dem Titel „Vom Schmerz profitieren“ veröffentlichte die internationalen Wohltätigkeitsorganisation Oxfam am 23.05.2022 ein Briefing zur weltweit auseinanderklaffenden Schere zwischen Reichtum und Armut.

Demnach sit der Reichtum der Milliardäre während der COVID-19-Pandemie sprunghaft angestiegen. Unternehmen aus dem Lebensmittel-, Pharma-, Energie- und Technologiesektor haben riesige Gewinne gemacht.

„Währenddessen sehen sich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt mit einer Lebenskostenkrise konfrontiert, die auf die anhaltenden Auswirkungen der Pandemie und die rapide steigenden Kosten für lebensnotwendige Güter, einschließlich Lebensmittel und Energie, zurückzuführen ist. Die Ungleichheit, die bereits vor COVID-19 extrem war, hat ein neues Niveau erreicht.“

Die Regierungen müssten dringend äußerst progressive Steuermaßnahmen einführen und die Einnahmen wiederum für Investitionen in wirksame und bewährte Maßnahmen zur Verringerung der Ungleichheiten nutzen.

„Das Vermögen der Milliardäre und die Unternehmensgewinne sind während der COVID-19-Pandemie auf ein Rekordniveau gestiegen, während mehr als eine Viertelmilliarde Menschen im Jahr 2022 in extreme Armut stürzen könnten durch das Coronavirus, die zunehmende globale Ungleichheit und den Schock der durch den Krieg in der Ukraine überhöhten Lebensmittelpreise.“

FAO Food Price Index, 1990–2022
Quelle: equalshope.org

Für 1 Milliardär 1 Million Verarmte

Oxfams Untersuchungen und Auswertungen von 142 Quellen haben Folgendes ergeben:

  • Das Vermögen von Milliardären ist in 24 Monaten um so viel gestiegen wie zuvor in 23 Jahren.
  • Milliardäre im Lebensmittel- und Energiesektor haben ihr Vermögen alle zwei Tage um eine Milliarde Dollar gesteigert
  • Die Preise für Lebensmittel und Energie sind auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen. 62 neue Lebensmittel-Milliardäre sind entstanden.
  • Die kombinierten Krisen von COVID-19, zunehmender Ungleichheit und steigenden Lebensmittelpreisen könnten im Jahr 2022 bis zu 263 Millionen Menschen in extreme Armut stürzen und damit jahrzehntelange Fortschritte zunichte machen. Das entspricht einer Million Menschen alle 33 Stunden.
  • Gleichzeitig wurde während der Pandemie im Durchschnitt alle 30 Stunden ein neuer Milliardär geboren.
  • Das bedeutet, dass in der gleichen Zeit, in der während der Pandemie durchschnittlich ein neuer Milliardär geschaffen wurde könnten in diesem Jahr eine Million Menschen in extreme Armut gestürzt werden.

Quelle: oxfam.org, 23.05.2022


Reicher als die Geissens

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Nur brave Bürger bekommen Geld

Gefangen im SozialkreditsystemDer tugendhafte Bürger

Mit der Einführung digitaler Überwachungsstrategien müssen wir uns unweigerlich von unserer bisherigen Gesellschaftsform verabschieden.

von Jacky Schütte

Ein falsch geparktes Auto, das andere Parkplätze blockiert; ein Fußgänger, der in einer gefährlichen Situation über die Straße läuft; ein Nachbar, der im gemeinsamen Mietshaus den Müll nicht ordnungsgemäß trennt. Viele von uns werden Alltagssituationen wie diese kennen, in denen man sich über das Verhalten anderer empört oder gar ärgert. Um derart unerwünschtes oder fehlerhaftes Benehmen zu unterbinden, erprobt China bereits seit 2014 in Testregionen ein System zur Verhaltenssteuerung der Bevölkerung. Kaum bekannt ist hingegen, dass ab Herbst dieses Jahres das erste europäische Sozialkreditsystem in der italienischen Stadt Bologna eingeführt werden soll. Neben Entwicklungen wie diesen, bei denen ein zunehmender Einsatz digitaler Überwachungsstrategien forciert wird, deuten weitere Beispiele darauf hin, dass sich die Gesellschaft dem Dogma der Gewissheit unterwirft und dabei jegliche Freiräume für Anomalien ausradiert.

Wir alle haben gewisse „Spielregeln“ internalisiert, ohne die eine Gesellschaft nicht auszukommen vermag. So befolgen wir zumeist unbewusst vorherrschende soziale Normen sowie geltende Gesetze und Pflichten. Wir wissen, dass wir bei einer roten Ampel warten müssen, dass wir uns im Kino leise verhalten sollten und es einem höflichen Benehmen entspricht, einer älteren Dame im vollbesetzten Bus den Sitzplatz anzubieten. Diese Spielregeln — ob wir sie nun befolgen, weil sie gesetzlich verankert sind oder aus einer sozialen Erwünschtheit heraus — entspringen einem fortschreitenden kulturellen Wandel und dienen dazu, eine grundlegende Ordnung in das zunehmend komplexere Leben der Gesellschaft zu bringen.

Daneben aber existieren in allen erdenklichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Freiheitsräume, in denen wir uns nach eigenem Ermessen für oder gegen eine bestimmte Handlung entscheiden können. Doch was, wenn wir — analog wie digital — bei jeder Handlung, jedem Schritt und jedem Wort überwacht werden? Wenn unser Verhalten bewertet wird und es Vor- oder Nachteile nach sich zieht?

Verhalten wir uns dann, aus Angst vor einem potenziellen Fehl- oder unerwünschten Verhalten, derart konformitätstreu, dass uns eine autonome Entscheidungsfreiheit für unser Handeln gänzlich verloren geht?

Tugendpunkte für den guten Bürger

Unter den oft als „Mainstream“ bezeichneten Medien berichtet lediglich ein Kommentar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über das erste europäische Sozialkreditsystem, das derzeit in der italienischen Stadt Bologna entwickelt wird. „Smart Citizen Wallet“ ist Teil eines digitalen Innovationsplans als Pilotprojekt, das bereits im Herbst 2022 an den Start gehen soll, wie Bürgermeister Matteo Lepore zusammen mit dem für die digitale Agenda zuständigen Massimo Bugani Ende März in einer Pressemitteilung verkündete. Im Idealfall würden über die Vernetzung verschiedener Messstationen Informationen über den Verkehr und das Wetter für die Bürger bereitgestellt, um Ressourcen zur Instandhaltung der Stadt einzusparen und die Umweltverschmutzung zu verringern. Der vorgestellte Plan gleicht nicht nur einem ersten Entwurf einer „Smart City“ — er ist mehr als das, denn im Mittelpunkt des Pilotprojekts steht der „tugendhafte Bürger“.

Wer nachweislich den Müll trennt, energiesparend lebt, öffentliche Verkehrsmittel nutzt, keine Bußgelder für falsches Parken erhält oder die Bologna Welcome Card nutzt, soll mittels einer App auf dem Smartphone Tugendpunkte sammeln können. Auf die Frage, ob bei all dem nicht ein Eingriff in die Privatsphäre zu befürchten sei, entgegnete Bugani, dass jeder Bürger durch einen Antrag seine „freiwillige“ Teilnahme an dem Belohnungssystem angeben könne.

Dennoch enthält es einen bitteren Beigeschmack. Schließlich hat sich spätestens mit der „freiwilligen“ Coronaimpfung gezeigt, wie fließend der Übergang zum Zwang sein kann.

Das „gefährlichste Bonitätssystem der Welt“

Inwiefern sich das Bewertungssystem in Bologna flächendeckend etablieren wird, welche Prämien bei tugendhaftem Verhalten winken und mit welchen Sanktionen zu rechnen ist, bleibt vorerst abzuwarten. In China sieht das hingegen schon seit Jahren ganz anders aus. Zusammen mit der chinesischen Zentralbank und E-Commerce-Unternehmen wie Alibaba oder Tencent erprobt die Regierung in Peking in verschiedenen Städten Systeme für ein persönliches Kredit-Scoring. Eines dieser Systeme, „das weit über das rechtzeitige Begleichen von Rechnungen und Kreditraten hinausgeht“ (1) ist „Sesame Credit“.

Einkäufe, Kontakte in den sozialen Medien und Schulbildung werden dabei genauso von Algorithmen bewertet wie die „Quantität“ und „Qualität“ von Freunden. Der CEO des Entwicklerunternehmens bewarb das Scoring-System damit, dass es dafür sorge, „schlechte“ Menschen von der Gesellschaft auszuschließen, während sich „gute“ Menschen frei und ungehindert bewegen könnten (2).

Nicht ohne Grund ist das Sozialkreditsystem in China als das „gefährlichste Bonitätssystem der Welt“ bekannt, wie es in einem Artikel vom Bayerischen Rundfunk (BR) zitiert wird. Neben einer flächendeckenden digitalen Überwachung, die das Sammeln von Daten ermöglicht, existiert ein ganzer Sanktionskatalog, der definiert, bei welchen Punktabzügen Konsequenzen folgen. Der Punktestand entscheidet dabei über alle Dinge des täglichen Lebens, zum Beispiel wer eine Gehaltserhöhung, einen Kindergartenplatz oder einen Bankkredit erhält. Und das ist längst nicht alles:

„Bürger melden den Behörden Wohl- und Fehlverhalten ihrer Mitmenschen, und die Punktestände werden öffentlich zugänglich gemacht. Sie verlieren nicht nur Sozialpunkte, wenn Sie sich falsch verhalten, es genügt schon, wenn Sie in Kontakt mit Leuten stehen, die einen zu geringen Punktestand haben“ (3).

Ein durch Vorschriften geregeltes Verhalten zum höheren Wohl, das den Preis der totalen Überwachung trägt, so wie es in China zunehmend ausgebaut wird, scheint vielen womöglich noch zu weit entfernt zu sein.

Sicher werden die wenigsten die Einführung eines solchen Bewertungssystems, mit all den sozialen Folgen, die es mit sich bringt, im „demokratiefreundlichen“ Europa befürchten. Doch hat sich erst mal der Gedanke durchgesetzt, dass ein solches System — zumindest vorgeblich — einige Vorteile mit sich bringt, ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn der Algorithmus entscheidet

Schon im Dezember 2020 hat der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem Blogartikel eine politische Empfehlung zur Implementierung technologischer Transition in der Finanzbranche herausgegeben. Eine Kreditvergabe erfolge nach bisherigen Methoden mittels der Einstufung von sogenannter „hard information“ (Einkommen, Beschäftigung, Vermögen und Schulden). Hilfreich wäre es, vornehmlich andere Informationen zur Bewertung der Kreditwürdigkeit einer Person heranzuziehen. Hierzu listet der IWF eine Reihe von Daten, die auf das Konsumentenverhalten schließen lassen könnten: Suchverläufe im Internet, das Auftreten in den sozialen Medien, genutzte Hardware und Browser sowie Online-Käufe.

Mithilfe des Einsatzes künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen könnte die Kreditvergabe somit erleichtert und damit auch bisher benachteiligten Personen, Haushalten und Firmen zugänglich gemacht werden.

Dass die Bewertungsgrundlagen der Zahlungsfähigkeit bei einer automatisierten Datenverarbeitung undurchsichtig bleiben und der Mensch „zu einer bloßen wirtschaftlichen Rechengröße“ (4) degeneriert wird, scheint von geringerer Bedeutung zu sein.

Die Nutzung personenbezogener Daten zu Zwecken wie diesen ist aber längst nichts Neues. Die Wirtschaftsauskunftei Schufa etwa schließt beispielsweise aus der Wohngegend einer Person auf ihre Bonität, wie aus dem weiter oben zitierten BR-Artikel hervorgeht. In seinem 2016 erschienenen Buch schildert der Informatiker und Publizist Markus Morgenroth weitere Beispiele, in denen Kreditvergaben auf diskriminierende und obskure Weise verweigert wurden (5).

Das Unterziehen einer umfänglichen Automatisierung wird sich aber kaum auf den Banken- und Finanzsektor beschränken. Britische Autoversicherer werben schon seit Jahren mit günstigeren Tarifen, wenn eine Telematikbox im Auto installiert wird, die den Versicherer mit Daten über das Fahlverhalten versorgt:

„Wer jedes Brems- und Lenkmanöver, jedes Gasgeben, das Verhältnis von Autobahn- zu Stadtfahrten und Tag- zu Nachtfahrten analysieren lässt, erhält einen Rabatt, wenn der ermittelte Score-Wert einen bestimmten Grenzwert nicht überschreitet“ (6).

Zudem erwäge eine wachsende Zahl von Krankenversicherungen beim Tragen von Wearable-Technologien einen Preisnachlass oder andere Prämien. Durch das Weiterleiten von Daten über den Schlafrhythmus, sportliche Aktivitäten, die tägliche Kalorienzufuhr und die Anzahl zurückgelegter Schritte kann die Versicherung dann Informationen über das Verhalten der Personen erfahren.

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, führt diese Überlegung weiter: Eines Tages könnte der Arbeitgeber jedem Beschäftigten vorschreiben, ein solches Gerät zu tragen — um die Produktivität zu steigern und Versicherungskosten zu senken.

„Was gerade noch wie eine bewusste persönliche Entscheidung für oder gegen solch ein Gerät aussah, gerät schnell zum Zwang, sich an neue soziale Normen zu halten, selbst wenn man sie persönlich inakzeptabel findet“ (7).

Man mag sich kaum ausmalen, dass Instrumente zur digitalen Überwachung und Verhaltenssteuerung irgendwann zum normalen Alltag gehören könnten.

Die digitale Identität

Die Corona-„Pandemie“, durch die eine Digitalisierung sämtlicher Bereiche des gesellschaftlichen Lebens forciert wurde, könnte hierbei jedoch als Beschleuniger wirken, insbesondere wenn es um die Entwicklungen im Rahmen der Agenda einer digitalen Identität geht. Ein Beispiel hierfür ist das Pionierprojekt ID2020, im Rahmen dessen Hightech-Konzerne wie Microsoft und Accenture, die Rockefeller-Stiftung und Hilfsorganisationen wie CARE und die Impfallianz GAVI an einer transnationalen digitalen Identität zusammenarbeiten. Weitere Kooperationspartner sind zum Beispiel die US-Regierung, die EU-Kommission sowie das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR. Geplant ist ein digitales Profil, in das sämtliche Daten wie Ausbildungs- und Impfnachweise, Smartphonedaten, der Finanzstatus und Accounts in den sozialen Netzwerken zusammenfließen. Die Kamera der Grenzbehörde oder am Eingang des Fußballstadions könnte so per Gesichtserkennung zum Beispiel auf meinen Impfstatus schließen.

Ein weiteres Projekt, das bereits 2018 vom Weltwirtschaftsforum unter dem Namen „The Known Traveller Identity (KTDI)“ vorgestellt wurde und im Rahmen von ID2020 umgesetzt werden soll, bewirbt zum Beispiel die Möglichkeit des kontroll- und passfreien Reisens. Getestet wird das seit Anfang 2021 schon zwischen Kanada und den Niederlanden.

Die Vorteile einer digitalen Identitätserkennung stehen hierbei stets im Vordergrund: weniger Bürokratie und Papierkram, dafür mehr Sicherheit. Zudem könnte jeder im Sinne der Self-Sovereign Identity (SSI, selbstbestimmte Identität) die eigenen Daten, die auf einer Blockchain gespeichert werden sollen, verwalten und Kontrolle ausüben. Das Löschen von Daten auf einer Blockchain ist hingegen nicht möglich — eine Instanz zur Kontrolle eines vorschriftsmäßigen Umgangs mit persönlichen Daten gibt es also nicht.

Big Other auf dem Vormarsch

Die angepriesenen Vorteile, die ein Ausbau digitaler Überwachung mit sich bringen kann, stellen aber nur die eine Seite der Medaille dar. Auch die EU-Verordnung, die derzeit auf den Weg gebracht wird und eine automatisierte Kontrolle von Messenger- und Chatdiensten erlauben soll, hat ein vorgeblich gutes Ziel vor Augen, nämlich gegen sexualisierte Gewalt an Kindern vorzugehen. Dass die Verschlüsselung privater Nachrichten und Inhalte auf dem Smartphone damit ausgehebelt würde und das digitale Briefgeheimnis faktisch aufgehoben wäre, sind berechtigte und besorgniserregende Vorwürfe, die aber vermutlich ungehört auf der Strecke bleiben.

Vielmehr zeigt sich mit all den genannten Beispielen, wie groß das Feld potenzieller digitaler Überwachungsstrategien ist — und wie sie sich allmählich, aber schleichend, den Weg in unseren Alltag bahnen. Eine rote Linie ist hier nicht mehr zu erkennen.

Aus gegebenem Anlass zeichnet die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff in ihrem Buch über das Zeitalter des Überwachungskapitalismus ein düsteres Bild unserer bevorstehenden Zukunft. Der Unterschied zu George Orwells „1984“ bestehe darin, dass wir nicht der totalen Inbesitznahme des Großen Bruders unterliegen, sondern der Big Brother von einem Big Other — dem Großen Anderen — ersetzt wird. Mit dem Ziel der Automatisierung von Markt und Gesellschaft um der Gewissheit garantierter Ergebnisse willen würden Überwachungskapitalisten und Regierungen ihre totalistische Vision der totalen Gewissheit vorantreiben (8).

Mit Plänen für ein Sozialkreditsystem und einer umfassenden digitalen Identität wird diese Utopie der Gewissheit, in der nichts dem Zufall überlassen bleibt, deutlich. Welche Freiheitsräume werden uns noch bleiben, wenn jegliches Verhalten im Sinne einer Optimierung von außen gesteuert und zudem digital überwacht wird?


Quellen und Anmerkungen:

(1) Shoshana Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus. Seite 453.
(2) Ebenda.
(3) Dirk Müller: Machtbeben. Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten. Hintergründe, Risiken, Chancen. Seite 318 folgende.
(4) Thomas Petri: Innovativer Datenschutz — Wünsche, Wege, Wirklichkeit. Seiten 222 folgende.
(5) Markus Morgenroth: Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Die wahre Macht der Datensammler. Seiten 31 folgende.
(6) Ebenda, Seite 77.
(7) Klaus Schwab: Die Vierte Industrielle Revolution. Seite 154 folgende.


Dieser Artikel erschien auf Rubikon am 14.05.2022 und ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

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Die neue Geldordnung – Interview mit Norbert Häring

Die neue Geldordnung

Im Rubikon-Exklusivinterview erläutert der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring, dass eine neue finanzielle Ordnung entsteht, die unser aller Freiheiten massiv einzuschränken droht.

von Jens Lehrich, Nicolas Riedl

Das Monetäre durchdringt all unsere Lebensbereiche. Doch so wirklich greifbar dürfte Geld für die wenigsten sein. Und das im doppelten Wortsinn. Einerseits wird das Geld in barer Form immer seltener aus dem Portemonnaie gezogen. Und zum anderen dürften viele nicht verstanden haben, was Geld eigentlich genau ist. Dabei wird es tagtäglich genutzt. Im Interview mit dem Finanzexperten Norbert Häring sprach Jens Lehrich über den bevorstehenden Wandel des Geldes, wie wir es bisher kannten. Beginnend mit einem kleinen historischen Exkurs über die Entstehung des Geldes spannen beide einen Bogen in die Jetztzeit. Am Horizont zeichnet sich immer deutlicher eine neue Geldordnung ab, die die Unabhängigkeit und Freiheit jedes Einzelnen massiv einschränken kann.

„Mit Karte bitte!“ ist wohl der häufigste Satz, welchen Kassierer seit rund zwei Jahren zu hören bekommen. Vom Bargeld scheinen sich die meisten Deutschen mittlerweile verabschiedet zu haben. Selbst Kleinstbeträge werden inzwischen mit Plastik, der Smartwatch und vielleicht bald schon mit einem implantierten Chip beglichen.

Dies allerdings ist lediglich ein erster Vorgeschmack auf eine zukünftige Geldordnung, die uns allen ins Haus steht. Derzeit wird allerorts an der Einführung digitaler Zentralbankwährungen auf Blockchain-Basis gearbeitet, während parallel dazu in Europa die ersten Pilotprojekte für ein Social-Credit-System nach chinesischem Vorbild an den Start gehen.

Dostojewski bezeichnete bereits im 19. Jahrhundert das Geld als „gedruckte Freiheit“. Gibt eine Zentralbank das Geld nur noch digital auf Blockchain-Basis raus, dann ist das Wort „chain“ / „Kette“ bereits enthalten und offenbart den Verlust der Freiheit, welcher mit dieser neuen Geldordnung einhergeht.

Befeuert wird dieser Prozess durch eine flächendeckende Verarmung der Bevölkerungen. Die Preise schießen nach oben die Kontostände gehen runter. Die Inflation wird als Folge der aktuellen Krisen ausgewiesen, um damit die Fragilität der alten Geldordnung zu kaschieren. Die Fragilität dieser alten Ordnung macht es für die Nutznießer notwendig, diese durch eine neue zu ersetzen.

Der neuen Geldordnung ist es zu eigen, dass die ausgegebene Währung mit allen erdenklichen Parametern programmiert werden kann, so dass Zahlungen für bestimmte Waren, Dienstleistungen oder für bestimmte, unliebsame Personen blockiert werden können. Wer dann nicht nach der Pfeife des Systems tanzt, steht ganz schnell mittel- und hilflos da.

Doch kann sich eine solche Dystopie — die schon bedrohlich nahe herangerückt ist — auf Dauer aufrechterhalten? Werden sich die Menschen eines Tages gegen diese Unterdrückung aufbäumen, wenn es ihnen gewaltig an das Eingemachte geht? Über diese und weiteren Fragen sprach Jens Lehrich mit dem Finanzexperten Norbert Häring, der vergangenen Winter das Buch „Endspiel des Kapitalismus: Wie die Konzerne die Macht übernahmen und wie wir sie zurückholen“ veröffentlichte.


Jens Lehrich im Gespräch mit Norbert Häring


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60 Milliarden Dollar zusätzlich für die Ukraine

60 Mrd. Dollar für Ukraine60 Milliarden Dollar zusätzlich für die Ukraine. Wer profitiert von dem Geld? Die ukrainischen Bürger, deren Land zerstört wird?

Repräsentantenhaus stimmt für 40-Milliarden-Dollar-Paket

Die finanzielle „Hilfe“ für die Ukraine durch die NATO-Staaten übersteigt alle bisherigen Maßstäbe. Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 11.05.2022 über das neueste „Hilfspaket“ der USA für die Ukraine:

„Das Repräsentantenhaus in Washington hat ein von US-Präsident Joe Biden beantragtes Hilfspaket für die Ukraine aufgestockt und mit großer Mehrheit verabschiedet.“

Bereits einen Tag zuvor hatte unter anderem die Kronen-Zeitung gemeldet:

„Die EU-Kommission prüft Insidern zufolge erneut eine gemeinsame Schuldenaufnahme der 27 EU-Staaten. Damit könnte der kurzfristige Finanzierungsbedarf der Ukraine gedeckt werden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Der von Russland angegriffene Staat braucht für die nächsten drei Monate etwa 15 Milliarden Euro.“

Am 05.05.2022 berichtete der mdr über eine „internationale Geberkonferenz für die Ukraine hat in Warschau“:

„Ukraine erhält weitere sechs Milliarden Euro

Wer profitiert von dem Geld aus den Füllhörnern?

Zu den größten Gewinnern gehören zunächst Unternehmen der Rüstungsindustrie. Im Beitrag „US-Waffenlieferer im Goldrausch“ wurde bereits berichtet, dass die Aktienkurse der größten Gewinner im Militärisch-Industriellen Komplex (MIK) der USA die Sektkorken knallen lassen. Sie gehen davon aus, dass die garantierten Erhöhungen der Ausgaben für das Militär nach dem Konflikt in den USA und in Europa noch mehr Gewinn abwerfen wird, als die direkten Lieferungen in die Ukraine.

Eine weitere Empfängergruppe des Geldsegens ist die ukrainische Administration. Für die nächsten drei bis vier Monate „benötigt“ die Ukraine je fünf Milliarden Dollar monatlich für die Wirtschafts- und humanitäre Hilfe. Damit soll der Bedarf bis September, dem Ende des Haushaltsjahres, gedeckt werden.

Diese Forderung führt zugleich zur dritten Gruppe. Larry Johnson schrieb darüber am 07.05.2022:

„Ein wichtiger nachteiliger Faktor, der das ukrainische Militär untergräbt, sind die ukrainischen kriminellen Organisationen. Jedes Stück westlicher Ausrüstung und jeder Nachschub, der für das ukrainische Militär bestimmt ist, wird von der ukrainischen Version der Mafia gestohlen. Das Gleiche gilt für die humanitäre Hilfe. Wenn es darum geht, auf dem Schwarzmarkt Geld zu verdienen, insbesondere beim Verkauf von Waffen, Munition und Bomben, sind die ukrainischen Verbrecherbanden Superkapitalisten mit echten Muskeln…

Irgendwann wird das amerikanische Volk erkennen, dass unser Versuch, die Ukraine zu bewaffnen und zu ernähren, kriminelle Banden bereichert hat, denen es egal ist, wer die Ukraine regiert, solange sie davon profitieren können. Sie kennen den Wert eines Dollars und eines Rubels. Ein Krieg verwandelt einen Schwarzmarkt in einen Supermarkt auf Steroiden. Meiner Erfahrung nach werden diese Schwarzmarktaktivitäten von gut vernetzten Ausländern und Unternehmen ermöglicht.“

Auch für Glenn Greenwald ist offensichtlich, das der Militärisch-Industrielle Komplex der USA zu den größten Gewinnern gehört:

„Es ist praktisch unmöglich, sich ein Ereignis vorzustellen, das für die Waffenindustrie günstiger ist als dieser Krieg in der Ukraine…

Dieser Krieg dient sehr gut der permanenten politischen und medialen Klasse in Washington. Und obwohl es wochenlang ein Tabu war, dies auszusprechen, ist es jetzt mehr als klar, dass das einzige Ziel, das die USA und ihre Verbündeten in Bezug auf den Krieg in der Ukraine verfolgen, darin besteht, ihn so lange wie möglich hinauszuzögern. Es gibt nicht nur keine ernsthaften diplomatischen Bemühungen der USA, den Krieg zu beenden, sondern das Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass dies nicht geschieht.“


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