Gesundheitsvorsorge

Wie „Früherkennung“ von Krankheiten bei der Gesundheitsvorsorge als Profitquelle ausgeweitet wird, beleuchten gleich drei Beiträge.

Profitquelle Gesundheitsvorsorge

Gesundheitsvorsorge und die Früherkennung von Krankheiten haben bei Bürgern und in der modernen Medizin einen hohen Stellenwert. Viele Bürger versprechen sich von diesen Untersuchungen Vorteile. Dank Früherkennung könnten beispielsweise

  • Krankheiten in einem frühen Stadium erkannt werden und damit die Heilungschancen erheblich steigen;
  • Beschwerden und Symptome reduziert werden, was die Lebensqualität der Betroffenen verbessern würde;
  • langfristig Kosten für wesentlich teurere Behandlungen gespart werden;
  • Risikofaktoren identifiziert und Krankheiten frühzeitig verhindert werden.

Geschäftsmodell „Früherkennung“

Allerdings profitieren gegebenenfalls nicht nur die Patienten von Vorsorgeuntersuchungen. Es gibt mehrere Interessengruppen, die daran nicht nur schlechthin verdienen, sondern die Vorsorgeuntersuchungen als lukratives Geschäftsmodell ausweiten:

  1. Gesundheitswesen: Ärzte, Krankenhäuser und diagnostische Labors profitieren finanziell von der Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen. Die Untersuchungen selbst sowie die eventuelle Behandlung nach der Diagnose bringen erheblich Zusatzeinnahmen.
  2. Pharmaindustrie: Wenn durch Früherkennung Krankheiten diagnostiziert werden, steigt die Nachfrage nach Medikamenten und Therapien, was der Pharmaindustrie zugutekommt.
  3. Versicherungen: Krankenkassen profitieren möglicherweise durch geringere Ausgaben für die Behandlung fortgeschrittener Krankheiten. Früherkennung kann kostspielige Langzeitbehandlungen reduzieren. Was viele nicht bedenken: Versicherungen können aber auch die Risikoaufschläge erhöhen oder gar Krankenversicherungen ablehnen.
  4. Technologieunternehmen: Firmen, die medizinische Geräte und Technologien für die Diagnose und Behandlung entwickeln, profitieren von der Nachfrage nach innovativen Lösungen für die Früherkennung.

Natürlich profitieren auch die Aktionäre dieser Unternehmen. Denn mehr Profit führt in der Regel zu höheren Dividenden. Dennoch erweist sich dies für einge möglicherweise als ethischer Konflikt ähnlich wie bei sogenannten „grünen“ Investments oder Beteiligungen an Rüstungsunternehmen.

„Unternehmen schenken Gesundheitsministerium Millionen“

Norbert Häring hat gestützt auf Daten der Netzseite kodoroc.de am 16. 06. 2024 kurz beleuchtet, wieviel Privat- und Unternehmensspenden an Bundeseinrichtungen gingen. Demnach verdoppelten die Spender gegenüber 2017/2018 im Zeitraum 2019/2020 ihre Zuwendungen auf rund 130 Mio. Euro. Davon gingen nahezu 80 % an das Gesundheitsministerium. Zu den großen Spendern gehörten neben Facebook, Google, Apple und Alibaba. Angesichts der langfristigen Kursentwicklung des Pharmakonzerns Gilead, Hersteller von Remdesivir, der Pharmafirmen AstraZeneca und Sanofi-Aventis verwundert es sicher auch nicht, dass diese zu den großen Spendern gehören.

Nutzen und Risiken der Vorsorgemedizin für Bürger

Frank Wittig: Krank durch FrüherkennungDer Wirtschaftsjournalist Dr. Frank Wittig bezeichnete in einem 2019 erschienenen Buch die Vorstellung, durch Früherkennung Krankheiten besser heilen zu können, als naiv. In dem Buch geht es besonders um Vorsorgeuntersuchungen durch Mammografie, PSA-Tests, um Darmuntersuchungen, Voruntersuchungen auf Hautkrebs, Cholesterin, Blutzucker, Bluthochdruck, Osteoporose und weitere.

Vor allem die „Früherkennung“ von Krebs führe oft zu kostenintensiven und mit Nebenwirkungen verbundenen Behandlungen, obwohl die Betroffenen ohne diese Behandlungen nie Probleme gehabt hätten. Auf Amazon heißt es zur Ankündigung des Buches:

„Inzwischen belegen seriöse Studien, dass durch das Brustkrebs-Screening für ein durch das Screening gerettetes Leben bis zu zehn Frauen unnötigerweise einer Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation ausgesetzt werden.“

Dank der „Früherkennungs- und Vorsorge-Medizin“ würden „völlig gesunde Menschen zu potentiell Kranken gemacht werden und Milliarden in der Pharma- und Medizin-Industrie verdient werden“.

Ähnlich erläuterte zuvor auch Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser den „Unsinn Vorsorgemedizin: Wem sie nützt, wann sie schadet“

„Krank durch Früherkennung“ – ARD-Mediathek

Norbert Häring verweist in einem weiteren Beitrag vom gleichen Tag auf eine Fernsehdokumentation zum gleichen Thema. In der ARD-Mediathek ist der Beitrag „Krank durch Früherkennung“ vom April 2024 aus der Sendereihe „Planet Wissen“ verfügbar. Dazu heißt es in der Kurzbeschreibung der ARD:

„43 Millionen Mal pro Jahr nehmen Deutsche die Möglichkeit zur Krebsfrüherkennung wahr. Dabei sind die medizinisch nachgewiesenen Erfolge der Früherkennung bescheiden. In der Gesamt-Sterblichkeit gibt es nur einen sehr geringen Vorteil. Dem stehen erhebliche Nebenwirkungen gegenüber wie Angst, schmerzhafte Untersuchungen und unnötige Behandlungen wie Operationen oder Chemo-Therapien. Planet Wissen informiert über die Risiken und über persönlich angemessene Strategien im Umgang mit den Früherkennungsprogrammen.“

Sicher bieten Vorsorgeuntersuchungen und die Früherkennung von Krankheiten manchen Bürgern das Gefühl, mehr für ihre Gesundheit tun zu können und rechtzeitig Krankheiten vorzubeugen.

Weit mehr profitieren jedoch verschiedene Akteure im Gesundheitssektor finanziell. Die dafür entstehenden und ständig steigenden Kosten tragen unabhängig vom Nutzen für die Bürger jedoch alle Versicherten durch ihre Krankenversicherungsbeiträge.

Statistik: Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Deutschland je Einwohner im Zeitraum von 1996 bis 2022 (in Euro) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista


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Von Thomas Schulze

Mit den Beiträgen will ich helfen, anhand ausgewählter Beiträge besser zu verstehen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"

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