Rohölpreis – Sanktionspolitik – OPEC

Die Rohölpreise sind in den letzten Jahren – und nicht erst aufgrund der Ukrainekrise – deutlich gestiegen. Die Inflation galoppiert.

Rohölpreise und Sanktionspolitik

Die Ölpreise sind bereits seit Jahren nicht vorrangig auf die Förderkosten zurückzuführen, sondern auf politischen Druck und Marktmanipulationen.

Rohölpreise
Quelle: Tecson.de – Historische Ölpreise

Im letzten halben Jahr verweisen westliche Politker und Hauptmedien einhellig darauf, dass die Preissteigerungen auf „Putins Krieg“ in der Ukraine zurückzuführen wären und Russland Öl als Waffe einsetze.

Deshalb müssten sich die EU-Staaten aus der Lieferabhängigkeit von Russland befreien.

Zweifellos haben die Sanktionen der USA und EU-Staaten gegen russische Öllieferungen und die darauf zurückzuführende Verknappung des verfügbaren Rohöls an den internationalen Märkten zu Preissteigerungen geführt. Darunter leiden jene Staaten, die nicht über genügend eigene Ressourcen oder günstige Lieferbedingungen verfügen – wie beispielsweise die EU- Staaten.

Hinzu kommt, dass an den Weltmärkten seit Jahrzenten Öl in Dollar gehandelt wird. Aufgrund dieser Dominanz des „Petrodollars“ konnten die USA sowohl ihren internationalen Einfluss behaupten als auch ihre Wirtschaft nicht unerheblich stützen.

Wenn – warum auch immer – die Rohölpreise steigen führt das zu einer beschleunigten Inflation in vielen Ländern, gerade auch in Deutschland. Das spüren jetzt auch (wieder) die Bürger in den USA und in der EU.

Um die Inflation zumindest einzudämmen, die notwendigen Öllieferungen in die EU zu stabilisieren und zur verhindern, dass Russland dank hoher Ölpreise seinen „Ukraine-Krieg“ finanziert, sind Politiker der USA und der EU seit Monaten weltweit unterwegs. Doch alles Bitten westlicher Politiker um eine Senkung der Preise und mehr Lieferungen durch die OPEC und OPEC+ liefen ins Leere.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Dominanz, gar Diktat der USA beginnen die Erdölförderländer ihre eigenen wirtschaflichen Interessen durchzusetzen.

Herabsetzung der Ölfördermenge durch OPEC+ im September 2022

Im September 2022 setzten die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und die sogenannte OPEC+ die Förderung um 100.000 Barrel pro Tag herab. In der EU wurde dafür schnell Russland als Urheber und Hauptnutznießer benannt.

Am 04.09.2022 hieß es allerdings im Wall Street Journal:

„Saudi Arabia, the group’s biggest exporter, floated the idea recently that the alliance could consider reducing output. OPEC members such as the Republic of Congo, Sudan and Equatorial Guinea have said they are open to the idea, as they are already pumping as much as they can and oil prices have fallen in recent weeks. An OPEC+ production cut often lifts prices.

Saudi-Arabien, der größte Exporteur der Gruppe, hatte vor kurzem die Idee geäußert, dass die Allianz eine Reduzierung der Fördermenge in Betracht ziehen könnte. OPEC-Mitglieder wie die Republik Kongo, der Sudan und Äquatorialguinea haben erklärt, sie stünden der Idee offen gegenüber, da sie bereits so viel pumpen, wie sie können, und die Ölpreise in den letzten Wochen gefallen sind. Eine OPEC+-Produktionskürzung lässt die Preise oft steigen.“

Danach wird deutlich, dass viel mehr Staaten an marktüblichen Preisen interessiert sind:

„…delegates said there was no appetite for raising output, as the U.S. and Europe have called for.

… Delegierten erklärten, es bestehe kein Appetit auf eine Erhöhung der Produktion, wie sie die USA und Europa gefordert hätten.“

Kürzung der Ölfördermenge im Oktober 2022

Nur wenige Monate später beschlossen die Staaten der OPEC+ eine noch einschneidendere Senkung der Ölfördermenge, um die Weltmarktpreise annähernd auf gleichbleibendem Niveau zu halten. Auf Bloomberg hieß es dazu am 06.10.2022:

„Crude prices have dropped since June after jumping in the wake of Russia’s invasion of Ukraine. But at around $90 a barrel, they are still up almost 20% this year, contributing to a painful surge in inflation globally.

Die Rohölpreise sind seit Juni gefallen, nachdem sie nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine sprunghaft angestiegen waren. Mit rund 90 Dollar pro Barrel sind sie in diesem Jahr aber immer noch um fast 20 % gestiegen und haben zu einem schmerzhaften Anstieg der Inflation weltweit beigetragen.

Am 05.10.2022 beschloss die OPEC+ ihr Förderziel für den nächsten Monat um 2 Millionen Barrel pro Tag zu senken. Insbesondere Saudi-Arabien war daran interessiert, um die Marktpreise annähernd stabil zu halten.

Wenn die Fördermenge gekürzt wird, wird sich das natürlich auch auf alle Folgeprodukte der Ölverarbeitung aus. Das spüren die Bürger kurzfristig zunächst vor allem beim Kraftstoff und Heizöl

„Am Freitag­nach­mittag und im Wochen­schluss waren die Ölnotier­ungen unter dem Eindruck des ‚bullischen‘ OPEC+ Kürzungs­beschlusses weiter geklettert. -2,0 Mio. Barrel/T ab November hatte die Opec-Plus Gemein­schaft verkündet. Besonders Gasöl (Heizöl­vor­produkt) hat vorige Woche eine steile Preis­rally hingelegt. Währungs­be­reinigt, sprich in €uro erklomm Gasöl historisch hohe Kontrakt­preise. Einzig im März diesen Jahres gab es jemals einen höheren Peak. Der neue Trend der Ölpreise zeigt steil aufwärts, wobei es in diesen Tagen auch technische Rücksetzer geben mag. Die Opec will Ölpreise von klar über 100 $/bbl. Aller­dings schürt teureres Öl die Inflation und drückt weltweit die Kon­junktur.“

Heizölpreise in Deutschland
Quelle: Tecson.de

Saudi-Arabien setzt unterschiedliche Rohölpreise fest

Erregte schon allein die Kürzung der Rohölfördermenge den Unmut der USA und EU, so empörte insbesondere, dass Saudi-Arabien die Preise differenzierte je nach Region der Abnehmerländer.

„Aramco increased its medium and heavy grades for Asia by 25 cents a barrel month-on-month and dropped extra light by 10 cents. All official selling prices for North West Europe and the Mediterranean region were lowered. Grades for the US, a relatively small market for Aramco, were lifted by 20 cents.“

„Aramco hat die Preise für die mittleren und schweren Sorten für Asien im Vergleich zum Vormonat um 25 Cent pro Barrel erhöht und die Preise für die leichten Sorten um 10 Cent gesenkt. Alle offiziellen Verkaufspreise für Nordwesteuropa und den Mittelmeerraum wurden gesenkt. Die Preise für die USA, einen relativ kleinen Markt für Aramco, wurden um 20 Cent angehoben.“

Politiker und Kommentatoren in den USA fallen vom Glauben ab und werfen den Saudis eine „Kriegserklärung“ vor oder gar ein „Bündnis mit Russland“. So forderte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Beziehungen im Senat, Robert Menendez laut AP:

„WASHINGTON (AP) — Senate Foreign Relations Committee Chairman Robert Menendez called Monday for freezing all U.S. cooperation with Saudi Arabia, delivering one of the strongest expressions yet of U.S. anger over Saudi oil-production cuts that serve to boost Russia in its war in Ukraine.

In a statement, Menendez specifically called for cutting off all arms sales and security cooperation — one of the underpinnings of the more than 70-year U.S. strategic partnership with the oil kingdom — beyond the minimum necessary to defend Americans and American interests.

As committee chairman, Menendez, a New Jersey Democrat, vowed he ‚will not green-light any cooperation with Riyadh until the Kingdom reassesses its position with respect to the war in Ukraine. Enough is enough.'“

„WASHINGTON (AP) – Der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Beziehungen im Senat, Robert Menendez, forderte am Montag, die gesamte Zusammenarbeit der USA mit Saudi-Arabien einzufrieren, und brachte damit den Ärger der USA über die saudischen Ölförderkürzungen, die Russland in seinem Krieg in der Ukraine unterstützen, am deutlichsten zum Ausdruck.

In einer Erklärung forderte Menendez insbesondere die Einstellung aller Waffenverkäufe und der Sicherheitszusammenarbeit – eine der Grundlagen der mehr als 70-jährigen strategischen Partnerschaft der USA mit dem Ölkönigreich – über das zur Verteidigung der Amerikaner und der amerikanischen Interessen erforderliche Minimum hinaus.

Als Vorsitzender des Ausschusses schwor Menendez, ein Demokrat aus New Jersey, dass er ‚keine Zusammenarbeit mit Riad genehmigen wird, bis das Königreich seine Position in Bezug auf den Krieg in der Ukraine überdenkt. Genug ist genug.'“

Preisdeckel für russisches Öl

Den G7- und den EU-Staaten geht es nach wie vor Russland nicht vordergründig um stabile und möglichst bezahlbare Öllieferungen, sondern um Sanktionen gegen Russland. Nach den Sanktionen für Lieferungen durch Pipelines setzen sie nun auf einen „Preisdeckel“ für russisches Öl:

„Die Europäische Union will erreichen, dass Russland sein Erdöl per Tanker nur noch zu einem günstigen Preis verkaufen kann, um die Gewinne für die Kriegskasse des russischen Machthabers Wladimir Putin zu beschneiden. Alle Ölexporte, auch diejenigen nach China oder Indien, sollen unter diese Sanktion fallen. Die Gruppe der sieben wichtigsten Industrienationen hatte dieses Vorgehen im Sommer beschlossen. Die EU hat diesen Preisdeckel jetzt in ihr achtes Sanktionspaket eingebaut.

Wie soll die Preis-Obergrenze durchgesetzt werden?

Die Europäische Union und die G7-Staaten verbieten Banken, Versicherungen und Häfen vom 5. Dezember an, den An- und Verkauf von russischem Öl zu finanzieren, die Schiffsladungen zu versichern oder die Ladungen zu löschen, falls das Öl an Bord eines Tankers zu höheren Preisen gehandelt wird, als von der EU festgesetzt. Damit soll ein Embargo, das die Verschiffung fast unmöglich macht, auf Dienst- und Transportleistungen rund um den Öl-Export erreicht werden.“

Nicht zu vergessen

Unabhängige Beobachter wie Larry C. Johnson lenkten schon vor dem 06.10.2022 immer wieder die Aufmerksamkeit auf den folgenden Zusammenhang zwischen dem Ukraine-Krieg und der globalen Entwicklung:

„Important to remember that all of the military action on the ground in Ukraine will be a sideshow compared to the economic warfare that will wrack Europe. The United States and Europe got a big bucket of cold water poured over their heads today with OPEC+’s announcement that they will cut production by two million barrels of oil. No matter how much lipstick Biden and Blinken try to put on this pig, OPEC+’s message to the west is clear–fuck off! If foreigners really believed that Russia was getting its ass handed to it, do you think the OPEC nations would stick their neck out and adopt a policy that helps Russia? I don’t.“

„Man darf nicht vergessen, dass alle militärischen Aktionen in der Ukraine nur ein Nebenschauplatz sind, verglichen mit dem Wirtschaftskrieg, der Europa erschüttern wird. Den Vereinigten Staaten und Europa wurde heute mit der Ankündigung der OPEC+, die Produktion um zwei Millionen Barrel Öl zu kürzen, ein großer Eimer kaltes Wasser über den Kopf gegossen. Ganz gleich, wie viel Lippenstift Biden und Blinken diesem Schwein aufzusetzen versuchen, die Botschaft der OPEC+ an den Westen ist eindeutig: Verpisst euch! Wenn das Ausland wirklich glauben würde, dass Russland den Hintern versohlt bekommt, glauben Sie dann, dass die OPEC-Staaten ihren Kopf hinhalten und eine Politik betreiben würden, die Russland hilft? Ich glaube es nicht.“

(Alle Übersetzungen mit www.DeepL.com/Translator – kostenlose Version)

Nachtrag vom 11.10.2022:

MK Bhadrakumar: OPECs Schlag gegen Biden (Gelber „Translate“-Button links unten)


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