Schulden – verwerflich oder gewollt?

Schulden steigen – sowohl die Schulden der öffentlichen Hand als auch der Privathaushalte. Ist das, vermeidbar? Verwerflich? Oder gewollt?

Schulden steigen weltweit

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im aktuellen „Global Debt Database“  angegeben, dass der weltweite Schuldenberg im Jahr 2020 um 28.000.000.000.000 Dollar – in Worten: 28 Billionen Dollar – anstieg.

Damit erreichte die weltweite Gesamtverschuldung nunmehr 226 Billionen Dollar. Zwar sind auch das nur Schätzungen, deren Spannbreite recht groß ist (vgl. hier), aber der Schuldenanstieg in vielen Ländern ist unbestritten.

Staatsverschuldung
Quelle: IWF

(Nach dem Klick auf das Bild können Sie anhand der intraktiven Grafik die Schuldenentwicklung der Länder verfolgen.)

Besonders beängstigend dabei ist, wie sich diese Entwicklung auf unsere finanzielle Sicherheit und unseren Wohlstand auswirkt.

Der Schuldenstand wuchs allein im vergangenen Jahr um 28 Prozentpunkte auf 256 Prozent im Verhältnis zum Wert aller weltweit erzeugten Güter und Dienstleistungen. Davon entfallen auf die Staatsschulden ca. 40 Prozent der weltweiten Gesamtverschuldung. Diese Summe entspricht im Jahr 2021 ca. 97,8 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Mit anderen Worten: Um die weltweiten Gesamtschulden zu decken wäre das weltweite Bruttoinlandsprodukt von rund zweieinhalb Jahren notwendig. Und wovon würden die Menschen leben, wenn sie zweieinhalb Jahre ausschließlich arbeiten, um die Schulden abzuzahlen?

In Deutschland liegt die offiziell geschätzte Verschuldung derzeit bei ca. 2,3 Billionen Euro:

Diese Verschuldung ist überhaupt nur möglich, weil beständig die Geldmenge erhöht wird. Laut Forbes verteilte sich 2019 die Geldmenge wie folgt (umgerechnet in US-Dollar):

Bargeld: 7,6 Billionen US-Dollar

Sichteinlagen bzw. Giralgeld: 82,8 Billionen US-Dollar

Bitcoin (Virtuelles Geld): 0,1 Billionen US-Dollar

Rohstoffe: 0,017 Billionen US-Dollar Silber und 7,7 Billionen US-Dollar Gold

Aktien: etwa 95,2 Billionen US Dollar (2019)

Derivate: etwa 0,630 bis 1,2 Billionen Dollar

Staatsverschuldung weltweit: etwa 226 Billionen US Dollar

Schulden verwerflich? Oder gewollt?

Vielleicht denken Sie – falls Sie Schulden haben oder Schulden hätten: ich sollte sie schnellstmöglich tilgen. Wenn Sie Volkswirschaftler fragen, werden Sie jedoch eine ganz andere Antwort erhalten.

Das Volkswirtin Sarah Braun stieß in ihrer beruflichen Praxis auf die Frage:

„Schafft das Hin- und Herschieben von Geld für irgendwen in der Gesellschaft einen Mehrwert? Meine Antwort: Daher kündigte ich meinen gutbezahlten Job. Aufgrund der Einblicke, die ich in der Praxis gewonnen habe, stehe ich der Finanzbranche, wie sie heute ausgestaltet ist, kritisch gegenüber.“

Carmen Losmann hat versucht diese Frage weiter zu verfolgen. In ihrem Film „Oeconomia“ befragte sie verschiedene Experten.

„In der Wirtschaftsdokumentation »Oeconomia« geht Carmen Losmann der Frage nach, wie unser Geld- und Wirtschaftssystem funktioniert – oder warum es eben nicht funktioniert. Mit ihrem Film hat die Regisseurin Mut bewiesen und Aufklärungsarbeit geleistet. Ein spannender, aufrüttelnder und lehrreicher Film. Das Urteil der Volkswirtin lautet: Unbedingt ansehen!“

Die Dokumentation „Oeconomia“ ist bis zum 07.02.2022 kostenfrei in der Mediathek von 3Sat und ZDF verfügbar: Oeconomia – 3sat-Mediathek! <<Klicken!

Nachtrag vom 07.05.2022:


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