Rentenreform 2026

Die „Europa-Rente“ erblickte im Jahr 2020 mit der EU-Verordnung „über ein Paneuropäisches Privates Pensionsprodukt (PEPP)“ das Licht der Welt.

„Europa-Rente“ – mehr Geld für wen?

Im Jahr 2020 trat die EU-Verordnung zur privaten Altersvorsorge in Kraft.

Mit der Verordnung sollen „standardisierte Altersvorsorgeprodukte“ angeboten und zudem staatlich gefördert werden. Damit sind sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs) gemeint. Finanzkonzerne haben anfangs solche Anlagen stärker beworben.

ETFs sind an den Börsen handelbare Indexfonds.

Werner Rügemer analysiert auf den NachDenkSeiten die private „Europa-Rente“. In einem Überblick skizziert er, wie sich dieses „Paneuropäische Private Pensionsprodukt“ entwickelt und auf die gesetzliche Rente auswirken kann.

BlackRock und die private „Europa-Rente“

Insbesondere beleuchtet er, wer hinter dieser „selbstlosen“ Initiative steht. Geht es der EU doch nach der Verordnung (8) darum,

„das Produkt insbesondere für junge Menschen und mobile Arbeitnehmer attraktiver machen, und es wird den Unionsbürgern damit weiter erleichtert, ihr Recht auszuüben, überall in der Union zu arbeiten und zu leben…

 

Durch diese Verordnung kann ein privates Altersvorsorgeprodukt mit dem Ziel einer langfristigen Altersvorsorge geschaffen werden, das soweit möglich den ökologischen, sozialen und Governance-Faktoren (ESG-Kriterien) nach Maßgabe der von den Vereinten Nationen unterstützten Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investment Rechnung trägt, möglichst einfach, sicher, angemessenen im Preis, transparent, verbraucherfreundlich und unionsweit mitnahmefähig ist und die in den Mitgliedstaaten bereits bestehenden Systeme ergänzt.“

Klingt das nicht unheimlich menschen-, vor allem „arbeitnehmerfreundlich“?

Rügemer kommentiert:

„Mithilfe der ‚Volksaktie‘ namens Exchanged Traded Funds (ETF) sollen die Risiken vermieden werden: das Einzahlen kann schon mit ein paar Euro beginnen, ist in der Höhe nicht festgelegt – und die Gebühren betragen fast null. Zauberhaft, nicht wahr?

Aber wer sind die neuen Zauberer? Die größten heißen BlackRock und Vanguard…. Ein gefährlicher Zauber!“

Jens Berger: Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?Werner Rügemer zeigt wie schon Jens Berger in seinem Anfang 2020 erschienenen Buch „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?„, dass unsere Altersrücklagen das Kapital sind, mit dem BlackRock und Co. sich die Welt zum Untertanen machen. Darüber hinaus verkünden die Finanzkonzerne gerade der jüngeren Generation, dass zahlreiche Apps einfach, schnell und kostengünstig Börsengeschäfte für jedermann erlauben.

Nachtrag und Aktualisierung vom 24. 06. 2026:

Der Bund der Versicherten e. V. stellte im Jahr 2024 fest:

Bestandsaufnahme: bisheriger Fehlschlag

Nun befinden wir uns bereits im dritten Jahr der Marktöffnung und soweit bekannt ist, gibt es bisher nur einen Anbieter aus der Slowakei, der PEPP außer in seinem Heimatland noch in weiteren mittelosteuropäischen Staaten vertreibt. Das entspricht definitiv nicht den hohen Erwartungen, die in Brüssel und Frankfurt gehegt wurden.“

Altersvorsorge oder Kapitalquelle?

Das PEPP ist primär kein Instrument der sozialen Sicherung, sondern ein Vehikel zur Erschließung neuer Kapitalquellen. Die Verordnung (EU) 2019/1238 ist explizit als Teil der „Kapitalmarktunion“ konzipiert. Bereits in den Erwägungsgründen (1), (4), (7) und (11) wird das zentrale Ziel genannt: Die Mobilisierung von Privatvermögen für „langfristige Investitionen in die Realwirtschaft“ und zur Stärkung der „Wettbewerbsfähigkeit“. Der materielle Gehalt des Produkts ist die Verwandlung von „Arbeitnehmer“-Einkommen in zirkulierendes Kapital, das dem Finanzmarkt zugeführt wird. Die „Europa-Rente“ ist ein staatlich regulierter Kanal, um die aus der Niedrigzins- und Demografiekrise resultierende Kapitalverknappung auf dem Rücken der Sparer zu beheben.

PEPP bedeutet „Vergesellschaftung des Risikos bei Privatisierung des Gewinns“. Die EU und die Mitgliedstaaten schaffen den Markt und die Regeln, garantieren aber nicht den finanziellen Erfolg. Die Kostenobergrenze schützt den Sparer vor den schlimmsten Exzessen, nicht aber vor mangelnder Rendite. Das Produkt fördert die „Prekarisierung der Altersvorsorge“, indem es die Verantwortung für die Systemkrise (Demografie, Niedrigzins) auf das Individuum abwälzt. Es verstärkt die „Entsolidarisierung“, da es individuelle, kapitalmarktbasierte Lösungen fördert und kollektive Systeme nicht ersetzt, sondern zu ihnen in Konkurrenz setzt.

Echte Altersvorsorge bedeutet aber:

  • Für Executive Level geht es um Governance, Asset-Protection und Reputation.
  • Für Management Level geht es um Sicherheit, Existenzsicherung und Karriere-Kontinuität.
  • Für Arbeitnehmer allgemein geht es um Schutz vor Altersarmut, Enteignung und Unterhaltspflicht Angehöriger.


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Von Thomas Schulze

Mit den Beiträgen will ich helfen, anhand ausgewählter Beiträge besser zu verstehen, "was die Welt im Innersten zusammenhält"

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